Sommer in Südafrika (Teil 1)

Nun ist es schon fast drei Monate her als ich mich das letzte Mal hier gemeldet habe. Und fast so lange war ich auch nicht mehr im Norden in meinem namibianischen zu Hause, sondern unterwegs auf Reisen. 

In dieser Zeit habe ich vier verschiedene afrikanische Länder bereist, habe unglaublich schöne Natur gesehen, tolle Menschen kennengelernt und so viel Neues erlebt, dass ich es etwas vernachlässigt habe meine Erlebnisse mit euch zu teilen. 

In diesem Blogeintrag soll es zunächst um den Dezember gehen, in dem ich mit Moritz nach Südafrika gereist bin. Da unsere Ferien aufgrund der Präsidentschaftswahlen schon Ende November begonnen haben, sind wir direkt am zweiten Ferientag losgefahren. Mit dem Intercape Bus ging es zuerst die schon gewohnten neun Stunden nach Windhoek, jedoch gab es auf dieser Fahrt einen kleinen Zwischenfall. Denn plötzlich gab es einen lauten Knall und der Bus kam mächtig ins Schwanken. Was passiert ist? Das haben wir uns auch gefragt. Der Bus hielt an, die zwei Fahrer stiegen aus und kamen nach ein paar Minuten zurück in den Bus mit der Meldung: „Wir haben scheinbar einen Esel erwischt, aber nach Windhoek schaffen wir es mit dem Bus wahrscheinlich noch“. Da die Verkleidung vorne am Bus und ein Scheinwerferlicht völlig kaputt waren und auch die Frontscheibe einige Risse hatte, sind wir die restliche Nacht sicherheitshalber einem anderen Reisebus hinterher gefahren, aber bis nach Windhoek haben wir es dann tatsächlich ohne weitere Vorfälle geschafft. Der Esel hat diese Begegnung jedoch vermutlich leider nicht überlebt.

Danach ging es mit einem anderen Bus für weitere 22 Stunden nach Kapstadt. Dort angekommen war ich erstmal überwältigt von den vielen Hochhäusern, die rechts und links neben den Straßen nach oben ragten. Solche Gebäude würde man in ganz Namibia vergebens suchen. Und auch die Temperaturen waren ein ganz neues Erlebnis. In Namibia hatten wir zu dieser Zeit fast täglich 40°C oder mehr. Da waren die circa 25°C in Kapstadt wirklich sehr angenehm. Man konnte sich nämlich bewegen ohne direkt zu schwitzen und sogar meine lange Jeans und Jacke fanden Verwendung. Auch dass wir in unserem Apartment eine Küche mit Ofen, Spülmaschine, Toaster etc. und immer fließendes Wasser hatten, war anfangs wirklich ungewohnt. Durch Schilder wie „If it is yellow let it mellow, if it is brown flush it down“ wurde man dennoch oft, wenn auch für uns Touristen sehr dezent, auf die Wasserknappheit und Wassereinsparung hingewiesen. Was ich vorher noch nicht wusste, war, dass es in ganz Südafrika regelmäßig „load shedding“ gibt. Das bedeutet ganz banal Stromrationierung. Es gibt einen Stundenplan auf dem festgelegt ist wann, wo und für wie lange der Strom abgestellt wird. Und so kann es vorkommen, dass man irgendein Gebäude besuchen möchte, aber deshalb nicht rein kann oder man im Café sitzt, und dann die Café Maschine keinen Café mehr zubereiten kann. Insgesamt ist Südafrika aber ein wirklich sehr modernes Land und wäre man sich nicht bewusst gerade irgendwo in Afrika zu sein, könnte man auch denken man wäre in sommerlichen europäischen Landern unterwegs.

Die ersten zwei Wochen unserer Reise haben wir also zunächst in Kapstadt verbracht. Und Kapstadt gehört definitiv nun zu meinen Lieblingsstädten. Mit den Bergen, den weißen Sandstränden und (zum Baden schon fast zu kalten) Atlantik, der grünen Natur rechts und links und dem Großstadtflair ist Kapstadt total vielseitig und richtig schön. Aber natürlich gibt es nicht nur positive Aspekte über Kapstadt und Südafrika insgesamt, zum Beispiel ist Rassismus sehr präsent und auch ist die Kriminalitätsrate ziemlich hoch, sodass man abends auch für kurze Strecken lieber Uber benutzt und generell die Wertsachen wirklich immer im Blick haben sollte.

Obwohl ich ja zu diesem Zeitpunkt schon drei Monate in Afrika war, hatte ich bis dahin noch keinen richtigen Sonnenbrand gehabt, aber das sollte sich in Südafrika wohl ändern. Denn leider bemerkt man mit der angenehmen Brise vom Atlantik am Strand gar nicht wie stark die Sonne wirklich ist. Und so musste ich mir danach erstmal eine große Flasche Aftersun kaufen und die nächsten Tage waren T-shirts und Schuhe mir keine Freunde mehr.

schön war es trotzdem

In unserer zweiten Woche in Kapstadt haben wir uns dazu entschieden einmal das volle Touri Programm mitzumachen und so haben wir uns ein Ticket für den „Hop on Hop off“ Bus gekauft. Dieser fährt unterschiedliche Routen und man kann nach belieben an verschiedensten Haltestellen aus und wieder einsteigen. Wir sind einmal alle Routen mitgefahren und haben so wirklich viel von Kapstadt und der Umgebung gesehen. Unter anderem haben wir eine Weinverkostung mitgemacht, waren beim Hout Bay, haben das District Six Museum besucht und haben uns abends auf dem Signal Hill den Sonnenuntergang mit ungefähr 200 anderen Touris angesehen (war dennoch richtig schön!;))

An unserem letzten Tag in Kapstadt sind wir auf den Tafelberg gewandert. Da es über 300 verschiedene Routen gibt um den Tafelberg zu besteigen, war die Auswahl gar nicht so leicht. Am Ende haben wir uns für die Route „Platteklip Gorge“ entschieden. Ob das eine gute Idee war? Ich weiß es nicht so ganz. Der Vorteil dieses Weges war, dass wir nach circa zwei Stunden oben waren. Die Bergstation liegt auf circa 1060m Höhe und wenn man erst einmal oben angekommen ist, ist all die Anstrengung auch wieder vergessen, denn die Aussicht ist einfach atemberaubend. Jedoch muss man dafür erstmal um die 700 Höhenmeter zurücklegen, und bei diesem Wanderweg geschah das durch ausschließliches Treppenstufen laufen. Also wer etwas mehr die Umgebung beim Wandern genießen möchte, könnte auch guten Gewissens eine andere Strecke wählen;).

Und dann haben wir uns entlang der Garden Route auf den Weg nach Port Elizabeth (PE) gemacht. Auf dem 760km langen Weg haben wir als erstes in der etwas verschlafenen, aber gemütlichen Kleinstadt Mosselbay einen Halt gemacht. Da es dort nicht allzu viel zu entdecken gab, haben wir die Zeit dafür genutzt um im Café zu sitzen und jeweils über 20 Postkarten zu schreiben, von denen nach zwei Monaten leider immernoch welche nicht ganz das Ziel gefunden haben. Da hätte ich wohl eher „frohe Ostern“ statt „frohe Weihnachten“ draufschreiben sollen. Danach haben wir ein paar Tage im wirklich schönen Wilderness verbracht, wo unser Hostel nur wenige Meter vom weiten, weißen Sandstrand entfernt war. Und von dort aus sind wir nach Knysna getrampt. Das soll man in Südafrika aufgrund der Sicherheit eigentlich nicht machen, aber naja, wir sind lebend und sogar mit deutschen Lebkuchenherzen im Gepäck angekommen;). Und dann ging es weiter nach PE, wo wir bis zum ersten Weihnachtsfeiertag geblieben sind und danach einen Roadtrip mit anderen Freiwilligen zurück nach Kapstadt gemacht haben.

Aussicht vom Hostel in Wilderness

Damit dieser Blogeintrag nicht allzu lang wird, könnt ihr im nächsten Eintrag davon lesen, wie wir Weihnachten und Silvester gefeiert haben, wie wir plötzlich im Nationalpark eingesperrt waren und was wir sonst noch für schöne Natur und wilde Tiere gesehen haben.

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