Äpfelchen, Stiftchen, Häuschen

Hola! Como están? Wie geht es euch? Das fragt man am besten immer, zu jeder Gelegenheit, jeden zur Begrüßung. Es mag uns komisch vorkommen, dass darauf entweder keine Antwort oder „Bien“ („gut“) erwartet wird. Jedoch gibt es durch diese Formalität auch eine gewisse Routine bei Gesprächen und die Konversation kommt erstmal in Gang. Deshalb finde ich das gar nicht so schlecht…

In diesem Beitrag möchte ich ein bisschen darüber schreiben, was mir am bolivianischen Spanisch aufgefallen ist und inwieweit es sich vom Spanisch aus Spanien, dem Castellano, unterscheidet.

Spanisch ist eine der meistgesprochenen Sprachen weltweit. Von Spanien aus wurde es in der Kolonialzeit bis nach Lateinamerika transportiert. Hier ist Spanisch offizielle Amtssprache von Argentinien, Chile, Peru, Paraguay, Bolivien und weiterer Länder. Spanisch ist die Sprache, in der alle kommunizieren können, egal ob Aymara oder Quechua, ob alt ob jung. Das gilt auch für Touristen, denn Englisch sprechen nur wenige Menschen und dies oft nur bruchstückhaft. Leider hatte ich kein Spanisch in der Schule und so stand/steht auch für mich Spanisch lernen an. Ich habe ein Grammatikbuch, doch das meiste lerne ich im Alltag, auf Arbeit, in Romanen, in Gesprächen, auf Schildern, durch Lieder usw. Ein Vorteil davon in Bolivien Spanisch zu lernen ist, dass hier im Allgemeinen sehr viel langsamer gesprochen wird als in Spanien und dass einige Zungenlaute, die dem englischen „th“ ähneln, entfallen.

Es gibt einige witzige Eigenheiten des Castellano von Bolivien. Erstens und das ist wohl das auffälligste: Es wird sehr gerne verniedlicht. Man mag das als Kindersprache abtun, jedoch hört es sich so einfach netter an. Aus Brief wird Briefchen, aus Sohn ein Söhnchen und ein Problem wird zum Problemchen. Im Spanischen hängt man dazu an das Wort, egal ob Gegenstand, Adjektiv oder wie auch immer, ein –ito oder –ita. Wer kennt nicht das Lied ‚despacito‘ ? Despacio= langsam, despacito= langsam-chen?

Auf den ersten Blick unvorstellbar ist, dass wir in Bolivien kein IHR benutzen, das gibt es einfach nicht. Stattdessen wird ebenfalls die SIE-Form verwendet. Das wirkt dann sehr höflich: Rede ich zum Beispiel mit zwei Freunden, die vor mir stehen, so frage ich sie „Haben Sie Lust heute Abend tanzen zu gehen?“

Gefällt einem etwas, ist etwas abstoßen, traurig oder lecker, stets kann man dies mit einem Ausruf ausdrücken, der mit QUE Beginnt. Im Deutschen würde das dann etwa Oh wie wunderbar! Oh wie schrecklich! Oh wie lustig! Oh wie köstlich! Oh wie komisch! heißen. Ein Ausdruck , den es nur in Tarija gibt, wäre ¡Que churo! Das bedeutet „Wie cool!“

Wichtig ist auch, dass man stets weiß, welche Tageszeit gerade ist, denn es wird sehr darauf geachtet, Guten Morgen/Guten Tag, Guten Abend und Guten Gute Nacht, korrekt zu Verwenden. Der Morgen erstreckt sich dabei bis 12 Uhr, danach folgt der Tag bis die Dunkelheit die letzte Phase, die Nacht, einleitet.

Zuletzt noch etwas über die Banane. Banane heißt auf Spanisch banana, handelt es sich jedoch um eine Kochbanane ist es eine platano und ist es eine kleine, rötliche Banane, dann nennt man sie hier guineo. Bananen zu kaufen ist damit schwieriger als gedacht!

Que les pasen un buen día. Habt einen guten Tag.

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