Gastbeitrag

Wie ich im letzten Beitrag geschrieben habe, hatte ich Besuch von meiner Schwester, das war total schön. Gestern ist sie leider wieder nach Hause geflogen, aber sie hat einen Gastbeitrag über unsere gemeinsame Zeit hiergelassen, den will ich doch gleich mal hochladen:

Gastbeitrag -Bewertung des Aufenthalts
Katharina Waubke, Deutschland, 20 Jahre, Alleinreisende

Standort: ⁎⁎⁎⁎
Ruhig, ein paar Bäume neben denen man spazieren gehen kann, Supermarkt mit Datteln, Pita und Hummus in Laufweite [leider zu israelischen Preisen, Anm. d. Autorin], Klavier auf dem Marktplatz, schönes Café in der Nähe.

Verkehrsanbindung: ⁎⁎
Israel ist vergleichsweise nicht so groß, sodass theoretisch alles nah beieinander liegt. Da Busfahrer aber manchmal falsche Auskünfte geben („Ja, ich fahre ans Toten Meer, steigt ein.“-und fährt dann in die Gegenrichtung), die Kombi aus Johannas langsamen Handy und meinem Handy ohne Internet nicht immer weiter geholfen hat und am Schabat keine Busse fahren, waren Ausflüge nach Jerusalem, Tel Aviv und ans Tote Meer ein Abenteuer [Wären wir aber wie geplant ans Tote Meer gekommen, wäre uns eine sehr spontane Übernachtung samt Skatabend bei Freddi (Dickes Danke!) in der Westbank entgangen, Anm. d. Autorin].

Ausstattung:⁎⁎⁎⁎⁎
Der Winter in Israel ist kürzer und wärmer als in Deutschland. Für die paar Wochen lohnt es sich aber nicht die Wände zu isolieren oder ein effektives Heizsystem einzubauen, sodass es mir deutlich kälter als 15 Grad vorkam. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich die einzigen Regenwochen des Jahres abgepasst habe und es normalerweise warm und trocken ist… [Funfact: An ihrem ersten und letzten Tag hier hatten wir Sonne, dadurch hatten wir noch einen sehr schönen letzten Tag in Tel-Aviv am Strand. Heute wo sie weg ist, war das Wetter natürlich wunderbar, Anm. d. Autorin] In Johannas Zimmer gibt es eine kleine Heizung und Johanna hat großzügig ihre Pullover, Schals und Socken mit mir geteilt.
Küche kann für schöne gemeinsame Kochaktionen genutzt werden. Johanna bringt oft leckere Reste aus dem Kindergarten mit, Haghit backt leckere Kuchen und kocht Suppen, man wird also gut versorgt. Dattelfondue:

Programm:⁎⁎⁎⁎⁎
Ich bin genau richtig zu Chanukka, dem jüdischen Lichterfest gekommen. Im Kindergarten haben wir Lieder geübt -den Text kann ich noch nicht sicher, aber die Bewegungen sitzen. Am ersten Tag des Festes gab es im Kindergarten einen Laternenumzug, es wurde gesungen , eine Geschichte erzählt, Kerzen angezündet [über 500 Teelichter!!!] und am Ende gab es Berliner für alle.
Weihnachten war sehr besonders: Unser Festessen mit Falafeln und Cola mitten in Jerusalem, der deutsche Gottesdienst, der wie ein Wunder war, da wir erst die richtige Kirche suchen mussten und eigentlich schon nicht mehr geglaubt haben, dass es noch freie Plätze gibt. Wir haben den Mann vor einer Kirche gefragt, wann und wo ein Gottesdienst ist -“jetzt und hier“. Wir sind in die mit Kerzen erleuchtete Kirche gekommen, hatten perfekte Sitzplätze, haben die Weihnachtsgeschichte auf deutsch, englisch, arabisch und hebräisch gehört und „Oh du fröhliche“ gesungen.
Danach sind wir mit ungefähr 200 Leuten nach Bethlehem gepilgert. Weihnachslieder singend durch die schlafende Stadt [Jerusalem] -die meisten Einwohner sind jüdisch, muslimisch oder orthodox, der 25.12 ist ein normaler Werktag- und dann auf die andere Seite der Mauer nach Palästina.
In den Tagen danach haben wir Bethlehem -überfüllte Geburtskirche [und Mauer zwischen Bethlehem und Jerusalem mit der Friedenstaube in Schussweste von Banksy],

Jerusalem -der Fußweg war inzwischen zu einem Bach geworden. Grabeskirche und die tollen Läden im jüdischen Viertel konnte man zum Glück auch im Regen angucken- und Tel Aviv -Florentine, ein Stadtviertel voll mit tollen Graffiti, das Meer,

ein Museum als wir keine Lust mehr auf Regenspaziergänge hatten-; gesehen.
Silvester haben wir fast verschlafen, da in Israel nur der Jahreswechsel des jüdischen Kalenders gefeiert wird. Der erste Januar war ein normaler Arbeitstag -auch für Johanna…
Im Neuen Jahr sind wir ans Tote Meer gefahren. Eine Kindergärtnerin hat uns einen Zeltplatz organisiert mit Blick auf Meer und Wüste. Wir haben gebadet, bzw. auf dem Wasser gesessen und gelegen. Am nächsten Tag sind wir nach Masada gefahren, zu den Palastruinen von König Herodes [Erwähnenswert ist der Ort aber eher, weil sich fast 1000 jüdische Widerstandskämpfer hier das Leben genommen haben, als klar war, dass sie gegen die römische Übermacht keine Chance haben A. d. A.].

Ansonsten waren wir auf dem Weihnachtsmarkt in Nazareth, in einer Synagoge, im Kindergarten, beim Sprachkurs..es war nie langweilig und doch war genug Zeit zum wieder aufwärmen und trocknen, erzählen und spazieren gehen dazwischen.

Gesamtbewertung:⁎⁎⁎⁎⁎
Liebe Johanna,
Du sprichst hebräisch -ob es grammatikalisch korrekt ist, kann ich nicht beurteilen, aber du redest viel und man versteht dich; die Kindergartenkinder haben dich lieb, samt ihren Eltern und Erzieherinnen -sodass die jüdischen Kindergartenkinder Weihnachtsbäume gemalt haben, ein Mädchen ganz stolz mit zwei verschiedenen Socken zum Kindergarten gekommen ist und die Eltern sich entschuldigen, wenn sie dich mal nicht mit nach Hause bringen können. Der Busfahrer lässt dich nicht einsteigen, weil er schon weiß, wo du hin möchtest und weiß, dass es dahin einen besseren Bus gibt als seinen. Haghit vermisst dich schon, wenn du ein paar Tage unterwegs bist…
Vielen Dank für die schönen Wochen in Israel. Nicht nur die Ausflüge haben mir gefallen, sondern vor allem, zu sehen, dass du dich hier eingelebt hast und es dir so gut geht!
Ich komme gerne wieder! -Nein, keine Angst. Ein paar Wochen sollst du auch noch alleine in Israel haben…Viel Spaß und eine schöne Zeit!
Deine Katharina

Ein Gedanke zu “Gastbeitrag

  1. Das müssen tolle Tage für Euch gewesen sein, habe Katharinas „Hinterlassenschaft“ mit Spannung und großer Freude gelesen. Für die weitere Zeit weiter soviel spannende Erfahrungen, liebe Johanna. Deine Brigitte

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