Auf den Spuren der Inka

Das ist das Motto von diesem Wochenende. Wir sind gemeinasam wandern gegangen. Wir, das sind Emilia, Almuth und ich, die anderen Freiwilligen vom BKHW aus Tarija und 5 weitere Freiwillige aus verschiedenen Ländern. Und Edward ist natürlich auch dabei. Zusammen sind wir den „Camino de Inka“ gegangen. Das ist ein Weg, der durch ganz Bolivien geht und die Rute beschreibt, über die sich die Inka vom Titicacasee in Südamerika ausgebreitet haben. Ein Teil dieses Weges geht eben hier in der Nähe von Tarija entlang.Dafür sind wir gestern morgens mit einem Minibus Zuhause losgefahren. 2,5 Stunden später waren wir dann an unserem ersten Ziel. Bevor es nämlich an die Wanderung ging, haben wir die Laguna Tajzara besucht, bei der man diverse verschiedene Flamingos beobeachten kann. In der Nähe der Lagune befinden sich mitten in der Landschaft große Sanddünen. Nach unserem Kurztrip in die Wüste ging es dann zu dem Ausgangspunkt unserer Wanderung auf 3500m.

Eine Wüste mitten in Bolivien

Als wir aus dem Bus ausstiegen, fanden wir uns auf einmal in den Wolken wieder. Die Luft war komplett feucht und wir haben schnell alles angezogen, was wir an Kleidung mit hatten, da die Temperaturen doch nicht mehr so hoch waren. Dann ging der Weg los, doch durch die ganzen Wolken konnten wir den sicherlich total schönen Ausblick in die Natur und die Berge nicht wirklich genießen. Vielmehr mussten wir ziemlich aufpassen, nicht auf den rutschigen Steinen auszurutschen. Nach einer kleinen Odyssee, bei der wir den Weg einmal hin, dann wieder zurück und am Ende doch auf dem gleichen Weg wieder hin gegangen sind, waren wir bzw. Eward sich des Weges mehr oder weniger sicher. So kam es, dass wir sogar noch vor der Dunkelheit unser erstes Ziel erreicht haben.

Der Anfang unserer Wanderung: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“

Dabei handelte es sich um ein kleines Dorf in den Bergen, dass Edward kannte. Dort haben wir bei einer Frau geklopft, die Edward kannte, und haben gefragt, ob wir die Nacht bei ihr schlafen könnten. Ja, hier ist alles immer spontan. Und wie sollte es hier anders sein, war die Frau super lieb und gastfreundlich. Sie hatte nicht das geringste Problem damit, dass auf einmal 14 Leute spontan in ihrem Haus übernachten wollten. Außerdem hat sie spontan für uns alle Nudeln mit Tomatensoße gekocht. Mit 14 Leuten in 6 Betten zu schlafen war ziemlich kuschelig, aber trotzdem hatten wir ein Dach über dem Kopf und mehr wollten wir nicht.Nach einer halbwegs erholsamen Nacht ging es am nächsten Tag dann weiter. Morgens hatten wir kurzzeitig noch das Glück, den Ausblick der Berge zu genießen, bevor die Wolken wieder kamen.

Bei unserem Abstieg mussten wir immer wieder einen kleinen Fluss überqueren, wobei die wenigsten unserer Schuhe trocken geblieben sind. Wie es bei einer Wanderung hier normal ist, haben wir natürlich diverse Lamas, Kühe und Esel auf unserem Weg getroffen. Nachdem wir eine Zeit lang abgestiegen sind, ging es dann nochmal bergauf, was auf 3000m gar nicht so unanstrengend ist. Jedoch hatten wir daraufhin einen genialen Blick auf Tarija und Umgebung, bevor uns dann die Wolken wieder in die Quere kamen. Mitten in den Wolken und in Gesellschaft von zwei Eseln haben wir dann Mittagspause gemacht, bevor es an den restlichen Abstieg ging.

Unser Blick morgens aus dem Fenster

Der Blick war wirklich unbeschreiblich schön

Dabei wurden wir dann nochmal von oben nass, da es auf einmal anfing zu regnen. Das ist hier in letzter Zeit jedoch normal, da mit dem Dezember auch die Regenzeit begonnen hat. Nach insgesamt 7 Stunden wandern am Sonntag trafen wir dann wieder auf unseren Bus und sind zurück nach Tarija gefahren. Ziemlich durchgeweicht und müde kamen wir dann abends wieder zu Hause an.

Auch hier befinden wir uns ja gerade in der Weihnachtszeit, doch bei 24 bis 28°C und Sonnenschein ist es irgendwie gar nicht so einfach, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Aber wir versuchen ein bisschen, etwas dagegen zu unternehmen. Am letzten Freitag waren wir zum Beispiel bei einem Lichterfest in einem der großen Parks von Tarija. Dort gab es viele Süßigkeiten, Weihnachtslieder und eine lebendige Krippe. Ein Orchester hat gespielt und ein Kinderchor hat gesungen. Ein Höhepunkt des Abends war die Aufführung einer Trenzada. Dabei handelt es sich um einen typisch tarijenischen Tanz, bei dem circa 10 Personen um einen großen Pfal tanzen. Jeder von ihnen hat dabei ein Band in der Hand. Und je nachdem, welche Schritte sie machen, ergibt sich aus den Bändern ein anders Muster um den Pfal. Außerdem haben wir hier schon heiße Schokolade gemacht und am Dienstag das erste Mal auch Weihnachtsplätzchen gebacken. Mit all diesen Dingen und der gewissen Menge an Weihnachtsliedern, kommt bei mir dann auch trotz Sonnenschein ein bisschen Weihnachtsstimmung auf.

Ein paar Kinder aus Tarija tanzen die Trenzada

¡Hasta luego!