Ein Schneemann in Namibia

Die letzten zwei Wochen ist in der Schule wieder viel passiert. Von Klausuren über unsere Weihnachtsparty mit Hüpfburg bis hin zu einem komplett neuen Anstrich der Schule und der Graduation unserer Vorschulkinder. Und den Präsidenten habe ich dann sogar auch noch gesehen!

Während unserer Exam Week wurde jeden Tag eine Klausur in einem anderen Fach geschrieben. Nun sind die Aufgaben natürlich nicht so komplex wie die von Grundschulkindern, aber auch die Kids unserer Vorschulklasse hatten schon Klausuren in den Fächern Englisch, Mathe, Kunst, Religion, Sport und Sachkunde. Allgemein im Kindergarten hatten wir für jedes Fach zwei verschiedene Klausuren, eine für die Baby’s Class (3-4 Jahre alt) und eine für die Vorschulkinder (5-6 Jahre alt). Der erste Teil bestand dann aus einer mündlichen Abfrage abhängig vom Fach von Zahlen, dem Alphabet, Gebeten, Gedichten oder Liedern. Und da ist es dann auch schonmal vorgekommen, dass ein Kind vor mir stand und sich doch genau in dem Moment, in dem ich anfangen wollte Fragen zu stellen, genüsslich eine ganze Scheibe Toast komplett in den Mund steckt. Und dann kann man leider auch nicht mehr machen, als zu warten bis das Kind ganz in Ruhe fertig gegessen hat. 😀 Was mich echt erstaunt hat, dass es auch Fragen unter anderem zum Namen des Präsidenten gab, wie die namibianische Flagge aussieht, wie viele Farben sie hat oder es sollte das Glaubensbekenntnis aufgesagt werden. Und auch schon die vierjährigen Kids konnten diese Fragen richtig beantworten! Ich möchte jetzt nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich glaube, dass Fragen dieser Art bei sehr vielen Kindern aus Deutschland in dem Alter eher zu einem fragenden Blick geführt hätten.

Der zweite Teil war dann schriftlich und die Kids mussten selbst schreiben, abschreiben, rechnen und anmalen. Und da die Kids noch nicht richtig lesen können, musste man dann jedem Kind (insgesamt sind es circa 40 Kids) die Aufgaben erklären, sodass man am Ende wirklich jede Klausur auswendig konnte.

So bestanden die Vormittage der Woche daraus sich den Mund das ein oder andere mal fusselig zu reden bis verstanden wurde was zu tun ist, und am Nachmittag wurden dann die Arbeiten korrigiert, Punkte gezählt und Noten ausgerechnet. Noten werden hier in Form von Buchstaben von A bis U vergeben, wobei mir persönlich bis zu dieser Woche gar nicht bewusst war, dass es tatsächlich auch U’s gibt.

Die Exam Week haben wir dann abgeschlossen mit einer „early Christmas Party“ für die Kinder, da dieser Tag auch schon der letzte Schultag für dieses Trimester war und wir die Kids dann in die Ferien verabschiedet haben. Als Dress Code hatten wir vorgeschlagen, dass die Kinder sich in grün und rot anziehen und so kamen viele sehr süße Weihnachtsoutfits dabei heraus. Als sich dann anfangs alle 90 Kids auf die Hüpfburg geschmissen haben und das dann doch verständlicherweise etwas zu viel für diese wurde und dann kaum noch Luft drinnen war, hatten wir dem ersten Teil schon ein kleines Christmas Geschenk gegeben, sodass sich das Getümmel etwas aufgeteilt hatte. Von der Hüpfburg waren aber nicht nur unsere Kleinen begeistert, sondern auch die älteren Schüler der benachbarten Schulen schienen fasziniert. Und so standen sie den ganzen Vormittag am Zaun unseres Kindergartens. Manche der Schüler sind dann aber auch immer wieder über den Zaun geklettert und haben den Kids ihre Spielzeuge oder Süßigkeiten weggenommen. Und so hat Ndamona kurzerhand die Polizei in der Nachbarschaft angerufen. Und als dann zwei für mich unscheinbare Damen in Zivil am Kindergarten vorbeispaziert sind, haben die Schüler sehr schnell die Flucht ergriffen. Man scheint die Berufe der Leute hier in Ondobe sehr gut zu kennen😉.

Obwohl nun ja eigentlich am Freitag der letzte Kindergartentag war, schienen das die ein oder anderen Eltern am Montag noch nicht so ganz verstanden zu haben. Denn als wir am Montagmorgen zum Kindergarten gegangen sind, um dort aufzuräumen, standen schon fünf Kids vor dem Tor. Und schwupps, am Ende waren dann circa 35 Kinder da. An den darauffolgenden Tagen sind dann aber keine Kinder mehr gekommen und so konnten wir die Zeit nutzen, den Klassenraum neu anzustreichen und auch die Mikrowelle sieht nun schön bunt aus. An der einen Wand ist jetzt eine Blumenwiese und an einer anderen ein sehr großer Schneemann. Vielleicht können sich die Kids dann wenigstens versuchen einzubilden, dass es doch gar nicht soo warm in der Mikrowelle ist, denn der Schneemann an der Wand schmilzt ja auch nicht😉. Anders als geplant ist jetzt eine Wand im Klassenzimmer pink geworden, denn diese Farbe kam bei Chris beim ersten Versuch heraus orange zu mischen, und irgendwie musste die Farbe ja verwendet werden. Auch draußen haben die Autoreifen etwas Farbe bekommen und ein Bekannter von Ndamona hat für die Kids ein Auto und eine Raupe zum Spielen aus Autoreifen gebaut.

Am Donnerstag der Woche war dann aber doch wieder sehr viel los im Kindergarten, doch diesmal waren keine kleinen Kinder da, sondern sehr sehr alte Damen und Herren. Denn es war Zahltag, also der Tag des Monats an dem die Rentner hier aus Ondobe und Umgebung ihre Rente bar ausgezahlt bekommen. Und da der Kindergarten auf einem Grundstück der Gemeinde steht, findet das dort statt. Die älteren Damen und Herren stehen dann in langer Schlange meist mehrere Stunden an, bis sie an einem Auto ankommen, aus dem dann immer das Geld für die jeweilige Person geholt wird. Das Gute für uns war, dass es deshalb auf dem freien Platz davor einen großen Markt gab, auf dem wir uns Fatcakes und Pommes zum Mittagessen kaufen konnten.

Hier werden die Pommes ganz einfach in einem riesigen Topf mit Öl überm Feuer frittiert.

Am Samstag stand dann der große Tag für die Vorschulkinder an, die nun in die erste Klasse kommen und den Kindergarten verlassen. Für diesen Anlass hatten wir in Oshikango in einer Art Hotel einen kleinen Saal gemietet um dort die Graduation der Kinder zu feiern. Am Anfang habe ich Einzelbilder mit den Kids gemacht, die alle einen sogenannten „Gown“ anhatten, den sie sich vom Kindergarten für diesen Tag ausgeliehen hatten. Danach wurden Gruppenbilder gemacht und schließlich Bilder der Kids mit ihrer Familie. Nachdem wir ihnen ihre Zertifikate überreicht haben, eine Motivation Speech gehalten wurde und auch die Eltern etwas sagen konnten, sollte es eigentlich Essen für die Kids geben. Aber das Personal des Hotels hatte es irgendwie verpeilt unsere Bestellungen zuzubereiten, sodass wir dann spontan von Lion King (dem afrikanischen MC’s) Chicken Wings für die Kids gekauft haben und als Beilage gab es Nik Naks (sowas ähnliches wie Flips), eine sehr ausgewogene Mahlzeit also😉.

Am Sonntag war ich dann noch mit Ndamona in Eenhana auf einer Wahlkampf Veranstaltung des aktuellen Präsidenten Hage Geingob. Die Veranstaltung fand in einem „Stadion“ statt mit einer großen Tribüne und gegenüber davon waren Festzelte aufgebaut, in denen die VIP Gäste saßen. Es war schon wirklich beeindruckend, wie viele Meschen dort waren. Alle hatten Kleidung in den Farben der Partei an, haben gejubelt und getanzt. Der Präsident selbst kam dann am späten Nachmittag. Und es war gar nicht so, wie ich mir so einen Auftritt eines Präsidenten vorgestellt hatte. Es war kaum Security um ihn herum und das Erste was er gemacht hat, ist, dass er an den Zelten und der Tribüne vorbeigegangen ist und den Leuten zugewunken hat und mit ihnen getanzt hat.

Und irgendwo dort ist der Präsident gerade unterwegs

Noch eine kleine Notiz zu der Wasserversorgung bei uns in Wohnung: Die Quote ist gerade eigentlich ganz gut! Von diesen zwei Wochen hatten wir eine Woche kein Wasser, aber die komplette zweite Woche hat die Dusche tatsächlich funktioniert, wenn man den Hahn aufgedreht hat! Ach, und noch eine neue Errungenschaft der letzten Woche ist ein Sandwichmaker! Sowas hatte Ndamona vorher noch nie in ihrem Leben gesehen, aber der erste Geschmackstest wurde auf jeden Fall bestanden😉.

Das sind ein paar meiner Nachbarinnen. Denn hier ist Frauenpower angesagt, in den ganzen Wohnungen wohnen nur drei andere Männer.