Ich bin Animateurin im Urlaubsressort, ähh

Ja ok, es heißt Taizé und die „Kinder“ sind 30+. Aber ich bin in meinen verschiedenen Jobs sogar in ein warmes Urlaubsparadies mitten im Oktober gekommen. Also wer sich da mal über mangelnde Abwechslung beklagt…. das kommt wahrscheinlich bei der Grundreinigung aller Baracken… Aber bis dahin kann ich ja noch getrost das Gegenteil behaupten.😎😄

Um mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu kommen, die Adult Animation vor vier Wochen, also vom 13.10.19-20.10. War spannend und abwechslungsreich und gleichbleibend zugleich. Das geht einem hier ziemlich oft so. Einerseits macht man den gleichen Job die ganze Woche und doch immer unterschiedlich.

Statt Pool ein Zelt

Zelt F war mein geteilter Verantwortungsbereich. Also ich hab das mit einer anderen Permanent gemacht und das ist unser einziger ( =nicht normal für Taizé, mindestens zwei jobs sind immer drin).

Um hier mal eins klarzuststellen….

Erwachsene arbeiten in Taizé, also wenn genug Jobs da sind und wenn der eigene Erwachsenenbereich offen ist, also viele Ausnahmen, aber grundsätzlich schon was zu tun, manchmal nur halbe Arbeit, aber ganz vereinzelt waren dann halt manche Erwachsene genauso unmotiviert zu arbeiten, wie die Jugendlichen.

Manche wissen, wenn sie schon oft da waren, wie das System läuft, naja also meinen es zu wissen. Das man über einen Job, der für einen Tag Übergangsweise ist, diskutieren muss… Oder dass man sich halt im System Taizé, da Einfachheit und damit das Gesamtkonstrukt funktioniert, auch Jobs machen muss, die man nicht mag… (Das waren wenige Ausnahmen), jedoch zeigt es auch, dass nicht unbedingt pubertäre Jugendliche die größten Probleme haben, sich anzupassen. Ich würde nach einer Woche definitiv sagen, dass Erwachsene vielleicht öfter schon in ihrer Komfortzone gelandet sind, aus der es schwerer ist rauszukommen. Mal nicht nur Deutsch zu sprechen, da gerade English die gemeinsame Sprache ist, auch wenn es vielleicht nicht einfach ist, aber einfach 50% der Verantwortlichen nicht ausschließt, war für viele eine große Herausforderung. Die Komfortzone zeigt sich aber auch, wenn…

Das System umgedreht ist und

zwei junge Permanents die Verantwortung und Koordination haben, also praktisch die Kinder oder Enkel vieler. Eine Rückmeldung war, dass sich meine Autorität entwickelt hat, ja vielleicht. Vielleicht war aber die Wahrnehmung auch so, dass ich den Erwachsenen erst Zeit zum Gewöhnen zu geben. Aber ja ich habe auch ein Zelt mit 200 Leuten zum Schweigen gebracht, meiner lauten Stimme sei Dank.

Ich weiß es nicht, aber es war bestimmt für einige komisch. Liebe Älteren, die sich jetzt angesprochen fühlen, ich glaube das ist schon ein spannender Punkt, da es ja in vielen Bereichen, Verein, Politik, Firma so sein kann. Ich glaube das kann ein spannender Punkt sein, sich selber zu reflektieren.

Zu Taizé kann ich einfach sagen, dass wir die Hintergründe kennen, wer zum Beispiel für was zuständig ist, wie das System in Idealfall funktioniert, welche Nummer wir wählen, wenn es nicht ideal läuft, um zum Beispiel mehr Essen zu bekommen. Was kann die Person in eurem Umfeld besser kennen?

Koordination und Zeiten dafür

Warum wir nur einen Job haben, zeigt sich gleich. Morgens um viertel vor acht, wird das Geschirr und heiße Wasser vorbereitet. Da beginnt unser Tag. Es ist ein Job für die Erwachsenen, aber wir haben die Schlüssel, also beginnt unser Tag da.

Die Idylle draußen am Morgen.

Wir viel wir bei den Jobs dabei sein mussten, war unterschiedlich, also ob genug Leute da waren, ob Anleitung gebraucht wird… Etc. Das Frühstück wurde dann geholt, die Heizung von uns eingeschaltet und das Morgengebet ruft um 8:30.

Tadaa! Das vorbereitete Zelt für mittags, da es da Teller gibt.

Danach direkt wieder den ganzen Weg durch halb Taizé zurück und das Austeilteam fing an, sobald wir gesungen und alle begrüßt haben. Dann nach einem kurzen Frühstück mussten die Abräumenden und abwischenden und die Abspülenden ans Arbeiten erinnert werden und der Überblick gehalten werden. Oder halt für Fragen da sein. Um Zehn Uhr gibt es dann die Bibeleinführung.

Bibeleinführung

Mal wieder eine ganze Woche lang. Diesen Rhythmus hat man als Permanent normalerweise nicht, wir haben auch gute am Montag und Freitag. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, denn ich habe nochmal ganz neue Aspekte zu den Bibeltexten der ersten Woche bekommen. Danach werden Toiletten geputzt, am Anfang muss ja alles erstmal erklärt werden, am Ende der Woche arbeiten die Erwachsenen schon sehr selbstständig, wenn man nicht gerade neue in die Jobs einweisen muss, da die anderen schon wieder abgereist sind. Also Abwaschen zum Beispiel habe ich 5 mal für die gesamte Gruppe erklärt und danach habe ich nicht mehr mitgezählt. So viel zu dem was immer gleich bleibt.

Dann fängt das ganze Essenstrallala wieder von vorne fürs Mittagessen an, um 14-14:30 begann dann unsere freie Zeit bis 18:50. Überraschung, auch abends wird gegessen! Darum haben wir uns dann bis 20:00 gekümmert. Manchmal haben wir uns abgewechselt, aber es gab genug Zwischenfälle, wo wir froh waren, zu zweit zu sein, dass die Eine zum Beispiel um Extraessen kümmern kann.

All inclusive

Gab es dann tatsächlich im Urlaubsressort für mich. Ich habe einige Geschenke bekommen und spannende Gespräche geführt oder mir wurden Putzmittel Begriffe auf Französisch übersetzt. Ich bin sehr dankbar und viele Erwachsene waren es auch und zeigten es mit Kleinigkeiten aus der Exposition oder durch Selbstgemachtes oder ein liebes Wort.

Das schlechte Wetter

Es war aber gleichzeitig auch die schwierigste Woche für mich hier . Klar auch manchmal die Anstrengung und zu einer privaten traurigen Nachricht kam etwas anderes.

Ein weiterer Missbrauchsvorfall, der über lange Zeit ging wurde uns nach der Festnahme am Morgen am Donnerstag Abend mitgeteilt, am Freitagmorgen in jeder Bibeleinführung erzählt und am Freitagabend/Samstagmorgen in den Medien veröffentlicht. Der folgende Text wurde in der nachfolgenden Woche für die nächsten Besucher*innen vorgelesen :

http://taize.fr/de_article26876.html

Uns wurde es persönlich von einem Bruder erzählt und es war schon sehr erschütternd, gerade auch in den nächsten Tagen. Es standen danach für mehrere Tage auch Priester, Priesterinnen, ein Psychologe und Psychologin und besonders viele Brüder in der Kirche als auch tagsüber für ein Gespräch zur Verfügung. Es war beeindruckend, wie die Kirche von einem Platz des Gebets nach dem offiziellen Ende sich in ein Ort des Gesprächs, des Austauschs. Ein bestürzendes Thema, aber ein intensiver Umgang damit.

Mein erster Spaziergang.

Ich lasse mal Bilder sprechen.

Genug zum Nachdenken.

Ich hoffe ich hole die beiden letzten drei Wochen auch so schnell wie möglich nach, aber wenn ich immer so lange brauche… So langweilig ist mir auch nicht immer 😉

Grüße Rebekka

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