„Jesus“ in Mwika – eine erste Zwischenbilanz

Ich habe mich dazu entschlossen mal eine erste kleine Zwischenbilanz zu ziehen.
Vor Abreise habe ich mir immer gesagt, dass ich keine wirklichen Erwartungen an diese einzigartige Auslandserfahrung habe und alles auf mich zukommen lasse. Langsam wird mir allerdings bewusst, dass ich schon einige Erwartungen hatte. So war die kleinste Erwartung, die wahrscheinlich jede/r Freiwillige/r hat, dass man nach zwei Monaten in seiner Einsatzstelle arbeiten wird, einen Alltag hat und sich ein wenig eingelebt hat. Vielleicht ist auch eine Erwartung gewesen, dass man nach zwei Monaten seinen Koffer ausgepackt hat und nicht mehr aus dem Koffer lebt, dass man die Leute, mit denen man den Großteil der zehn Monate verbringen wird, recht gut kennengelernt hat. Ich habe erwartet, meine ersten richtigen Erfahrungen gemacht zu haben und mich vielleicht nicht mehr bei jedem als Tourist oder Gast hier in Tansania vorzustellen. Eigentlich dachte ich auch, dass Schwierigkeiten „erst“ in Bezug zu meiner Arbeit auftreten können.
Vielleicht wisst ihr inzwischen worauf ich hinaus will. All diese, eher unbewusst entstandenen und vielleicht selbstverständlichen, Erwartungen an einen Auslandsaufenthalt wurden bei mir bisher leider nicht erfüllt. Ich bin gefühlt noch weit entfernt von meiner Einsatzstelle, habe keinen richtigen Alltag, lebe aus dem Koffer, bin noch lange nicht richtig angekommen, bin quasi ein „Freiwilliger“, der möglichst nicht auffallen soll (was als Weißer hier gar nicht so einfach ist), wurde bereits darauf vorbereitet, dass mein Visumsantrag abgelehnt werden könnte und ich dann ausreisen muss und frage mich, warum das alles?

Was mich zur Zeit noch echt erstaunt ist, wie positiv ich mit der Situation umgehe. Denn auch wenn die letzten zwei Monate eher weniger optimal liefen, bin ich echt gut drauf und bin dankbar, dass ich hier sein darf. Hier in der Bibelschule in Mwika fühle ich mich sehr wohl. Das Singen bei den täglichen zwei Andachten gefällt mir sehr, ich habe Kontakt zu ein paar Tansaniern, bin mitten im Grünen, lebe in keinem Hostel mehr und darf mich fast täglich kulturell überraschen lassen, da so eine Bibelschule ihre eigenen Regeln hat 😉
Mit dem Waisenkinder-Projekt „HuYaMwi“ gehen wir, ein anderer deutscher Freiwilliger und ich, dann mehrmals in der Woche auf Gemeinderundgänge. Dort wird dann besprochen und beraten, wie man den Familien helfen kann und wo Potenzial ist. Im Grunde genommen laufen wir den Mitarbeitern leider nur hinterher und verstehen nichts. Auch wenn es schön sein kann sich immer auf Deutsch auszutauschen zu können, führt das natürlich dazu, dass ich sprachlich nur langsam Fortschritte mache.
Zudem habe ich hier angefangen wieder ordentlich Sport zu machen, sodass ich öfters laufen gehe und etwas Krafttraining mache. Ich lese einigermaßen viel. Schlafe ausreichend und fühle mich gut:)

Noch kurz zu der Überschrift. Da meine Haare und auch der Bart etwas länger geworden sind, ich helle Haut habe und manchmal ein weißes Hemd trage, wird mir hier auf der Straße immer öfter „Jesus“ hinterhergerufen (hört sich eher an wie „Djisas“ :D).

Mein erster „richtiger“ Stromausfall vor zwei Wochen – eine super Quote finde ich

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