Mr. Gebps, Geppi, Mo, Morizz, Geps

Sooo, jetzt habe ich auch mal realisiert, wie mein Leben in der näheren Zukunft aussehen wird. In anderen Worten:

Ich bin angekommen.

oder

Ich habe mich eingelebt.

Das nicht alles so kommt wie geplant, habe ich schon erwartet und in meinen letzten 4 Jahren Stiftungsleben auch schon erlebt und mich dran gewöhnt. Rückblickend kann ich sagen, dass diese Jahre ein wenig wie Training auf die Zeit im Ausland waren. Die beste Vorbereitung, die ich hätte bekommen können denke ich.

Erstmal ein kleiner Beweis, dass nicht alles so kommt, wie geplant:

Hier habe ich Notizen für die Blogeinträge 5-8…naja das wird jetzt ne Zusammenfassung.

Noch ein Beweis:

Diesen Beitrag habe ich am 20.10. angefangen zu schreiben. Ein Tag, nachdem wir in Windhoek angekommen sind. Ich wollte das WLAN ausnutzen und einen Blogeintrag hochladen, da ich in meiner Wohnung im Norden kein WLAN habe. Nun ja, jetzt ist es der 24.10. und ich sitze im Bus auf dem Rückweg in den Norden. Das WLAN habe ich aber trotzdem ausgenutzt!

Ich habe den Südafrika Urlaub von Greta und mir gebucht. Dementsprechend habe ich die letzten Tage damit verbracht, Unterkünfte zu vergleichen, Stops für einen Roadtrip rauszusuchen und jede Menge Vorfreude zu sammeln. Ganz chronologisch, wie in den letzten Beiträgen, werde ich wegen dieser Vorfreude auch mit der Urlaubsplanung der letzten Tage anfangen.

Greta und ich haben wegen der Wahlen des Präsidenten und des Kongresses (am 27.11.) ziemlich lange Schulferien. Genau genommen vom 26.11. – 13.1. In dieser Zeit haben wir wenig zu tun im Norden und deswegen haben wir uns dazu entschieden, die Zeit zum Reisen zu benutzen. Ganz unter dem Motto „wenn wir schon mal hier sind…“. So wird es also für uns nach Südafrika gehen! Das war schon lange unser Ziel, in den letzten Tagen aber, hat sich dieses Ziel zu einem Plan weiterentwickelt.

Wir haben einen Plan!!! Die kurze Zusammenfassung:

Wir werden anfangs nach Kapstadt reisen, dort haben wir uns dann mal ein kleines Appartement in der Innenstadt gegönnt 🙂 Was genau wir alles in Kapstadt machen werden, wird sich noch herausstellen, aber das werdet ihr ja dann erfahren. Anschließend geht es weiter auf eine mehrtägige Reise nach Port Elisabeth. Auf dieser Reise werden wir versuchen so gut wie möglich immer zum nächsten Ort zu kommen und dort eine Unterkunft zu finden. Heilig Abend werden wir dann in Port Elizabeth verbringen. Das wird ein ganz anderes Weihnachten, als wir es gewohnt sind. Und damit meine ich nicht nur das sommerliche Wetter… Am ersten Weihnachtstag werden wir nämlich mit 3 Freiwilligen, die in Port Elizabeth arbeiten einen Roadtrip nach Kapstadt starten. Einen Zwischenstop muss ich dabei herausheben. Wir werden in den Tsitsikamma-Nationalpark fahren. Wenn mir jemand erklären möchte, dass es soetwas wie Liebe auf den ersten Blick nicht gäbe, dann kann ich jetzt mit gutem Gewissen widersprechen. Noch vor ein paar Tagen kannte ich den Park nicht. Jetzt kann ich sagen: der Park ist der Hammer!!!!… also so sieht er zumindest auf Bildern aus… Ich freue mich sehr darauf. Silvester verbringen wir dann, unter anderem mit Freiwilligen aus Namibia, (Zu denen später mehr) wieder in Kapstadt.

Aaalso jetzt ein kleiner Sprung in die Vergangenheit. Zu meiner Ankunftszeit. Aus Oniipa (aus meinem letzten Beitrag) wurden Greta und ich von unseren jeweiligen Mitbewohnern abgeholt. So bin ich also mit Mr Nekongo zu seinem Haus gefahren und habe seine Familie kennengelernt. Adrian (der letzte Freiwillige) hatte mich schon vor der anhänglichen Tochter gewarnt. Ob „anhänglich“ sie gut beschreibt?… Ich weiß ja nicht… Die erste Stunde hat sie allerdings damit verbracht, so zu tun, als ob sie sehr schüchtern wäre und sich vor mir verstecken müsse. Kurz darauf war sie aber auf meinem Rücken, an meinem Beinen und auf meinem Schoß. Schüchtern ist sie auf jeden Fall nicht.

Am nächsten Morgen ging es dann zur Schule. Die Schule liegt wirklich im Mitten von Nichts. Von der geteerten Straße fahren wir nochmal 15km Schotterpiste. Die ersten 4 Tage bin ich einer Englischlehrerin gefolgt und habe ihr geholfen (primär beim Korrigieren, da gingen in den 4 Tagen bestimmt 300 Blätter durch meine Korrektur). Ich habe in meinem Leben davor noch nie so richtig Sachen korrigiert… Aber Lessverstehen-Aufgaben korrigieren würde ich noch als leicht einstufen. Aufsätze korrigiert die Lehrerin zum Glück selbst. Direkt nach diesen 4 Tagen übernahm ich eine 8. Klasse in Englisch. Da war so das erste Mal in Namibia, dass ich ein schlechtes Gefühl bekam. Wie soll ich die Kinder unterrichten?… Ich habe doch keine Ahnung. Ich war anfangs ein wenig überfordert. Auch weil ich nicht wirklich eine Einführung in die Schule bekam. Ich war halt da und sollte loslegen. Dazu gehörte dann auch, mir selbst den Stundenplan zusammenzustellen… Ich weiß nicht, ob ich jetzt neben der Englisch-Klasse noch andere Klassen hätte, wenn ich mich nicht selbst drum gekümmert hätte. Naja, jetzt unterrichte ich noch Sport in mehreren Klassen und verschiedenen Jahrgängen. Ein Problem hier ist auch die Sprachbarriere. Die 620 Schüler unserer Schule kommen alle aus sehr traditionellen Verhältnissen, das bedeutet in kleinen eingezäunten Hütten mit ihrer Familie. Auch wenn Englisch hier Amtssprache ist, haben diese Schüler nicht allzu viel zu tun mit Englisch. Dementsprechend ist ihr Englisch oft nicht ganz so gut und mein Oshikwanyama hat auch noch Verbesserungsbedarf. Nachdem ich mir ein wenig das Kerrikulum angeguckt habe und mir eingeredet habe, dass ich es schaffen werde, zu unterrichten, ging das schlechte Gefühl auch weg. Alle meine Kollegen haben im Durchschnitt am Tag ca. eine Freistunde (bei 8 Schulstunden täglich..). Ich hingehen habe im Schnitt maximal 2 Stunden. So habe ich die nötige Zeit, um den Unterricht gut vorzubereiten, die meine Kollegen wahrscheinlich weniger brauchen. Die restliche Zeit im Schulalltag verbringe ich dann meistens entweder mit korrigieren, Spanish oder Oshikwanyama lernen oder meiner persönlichen Zukunftsplanung nach dem Auslandsjahr. Da in der nächsten Woche die Abschlussprüfungen anstehen (jeder Jahrgang schreibt Prüfungen), wird momentan in der ganzen Schule fast nur noch geübt…. Wären da nicht die 2 Gedichte, eine Kurzgeschichte und einen benoteten Vortrag, den die vorherige Lehrerin noch nicht mit meinen Schülern bearbeitet hat. 🙃Also heißt es, so schnell wie möglich alle notwendigen Noten zusammenbekommen und die Pflichtlektüre bearbeiten! Die Kinder benehmen sich übrigens auch ganz gut. Es gibt zwar in jeder Klasse ein paar Querdenker, aber bist auf die letzte Stunde haben auch diese keine Probleme bereitet. In der letzten Stunde sollten die Schüler jeweils einen Vortrag vorbereiten. Vier Jungs in der letzten Reihe hatten nichts besseres zu tun, als Karten zu spielen. Nachdem ich ihnen nahegelegt habe, zuliebe ihrer Note in „Tägliche Mitarbeit“, mit ihrer Aufgabe anzufangen war es erstmal 5 Minuten ruhig. Dann fingen sie an laut rumzulachen, worüber weiß ich natürlich nicht. Im Endeffekt haben die Mitschüler dann ein wenig gelacht, als ich mich zu den Jungs gesetzt habe, um ihre Arbeitsergebnisse anzugucken. Da wurden die Jungs ganz schnell ganz still. An der Stelle muss ich einmal anmerken, dass die Schüler hier noch geschlagen werden können. Ich sehe oft Lehrer mit einem Stock rumlaufen, habe aber noch niemanden damit schlagen sehen. Ich glaube das ist nur zwecks der Abschreckung. Eine Backfeife gehört hier dann leider doch schon zum Alltag. Als ich aufgestanden bin und zu den Jungs aus meiner Klasse gegangen bin, haben die wohl auf einmal festgestellt, dass sie etwas falsch gemacht haben. Auf jeden Fall sahen sie so aus, als ob sie jetzt erwarten würden, geschlagen zu werden. Davor lagen sie auf ihren Stühlen, wie die Allercoolsten. Sie sahen auf einmal sehr verängstigt aus. Und das wollte ich definitiv nicht damit erreichen. Ich wollte sie dazu bringen, ihren Vortrag vorzubereiten, damit sie anschließend bessere Noten bekommen. Dann stand ich da und ein Junge erwartet, von mir geschlagen zu werden. In zwei Klassen habe ich jetzt schon Diskussionen über Gewalt geführt. . Bei den Gesprächen habe ich herausgefunden, dass die Schüler der Meinung sind, „Gewalt ist manchmal einfach notwendig“. Ob es darum geht, seine Schüler zu bestraften oder seine Kinder zu erziehen, spielt dabei keine Rolle. Diese Aussagen waren für mich sehr befremdlich.

Würde ich die Schüler schlagen, wenn ich in einer Gesellschaft, mit einer solchen Einstellung zur Gewalt, aufgewachsen wäre?

Ich hoffe nicht. Ich bewundere aber deswegen Ndamona noch mehr. Sie wuchs hier auf und führt ihren Kindergarten mit der Pädagogik, die wir aus Deutschland gewohnt sind.

Wie ihr im Titel erkennen könnt, habe ich hier mal wieder verschiedenste Namen. „Moritz“ ist leider kein sehr internationaler Name… Wenigstens ist es nicht wieder Bob. Beim Verlassen der letzten Hochzeit haben mir aber noch ein paar kleine Jungs „Justin Biber“ hinterhergerufen und sind hinter unserem Auto hinterhergelaufen. Ndamona und Greta haben dies natürlich gehört und so waren die Jungs dann meine Belieber. Ich hoffe, dieser Name wird ganz schnell wieder vergessen. (Greta, das meine ich Ernst:])

Solche Momente kommen oft vor und können schon mal ziemlich unangenehm sein. Als Weißer fällt man hier natürlich auch auf und wird eigentlich immer verwundert angeguckt. Kinder winken einem oft zu und beim Vorbeigehen hört man oft Leute „shilumbu“ zueinander tuscheln. Was die Leute hier aber noch weniger erwarten, als einen Weißen, ist ein Weißer, der daraufhin ein wenig auf Oshikwanyama reagieren kann. Das sorgt immer wieder für eine fröhliche Stimmung. Die Leute freuen sich auch immer, wenn man sie auf Oshikwanyama grüßt, allein dafür haben sich die zwei Wochen Sprachkurs sich gelohnt. (Eine Begrüßung dauert hier ein wenig länger als in Deutschland, und besteht aus gegenseitigem Fragen wie es einem geht,.. bla bla bla.)

Wenn ich dann aber jeden Abend, beim Basketball-Feld bin und mit den 7-15 gleichen Leuten Basketball spiele, werde ich mittlerweile nicht mehr komisch angeguckt und bin für sie auch nichts besonderes mehr. Das fühlt sich auch schön an.

Mittlerweile fangen bei uns auch die Playoffs an. Wir wissen zwar nicht wann wir unser erstes Spiel haben, aber die Trainingsintensivität geht definitiv schon mal hoch.

Auswärtsspiel, gegen ein Universitätsteam.

Das Basketballfeld wäre zu Fuß in ca 4 Minuten zu erreichen, wenn da nicht ein ca 200m langer Zaun wäre, den ich erstmal umrunden muss. Das mache ich momentan auch so ziemlich jeden Tag. „Mein“ Zimmer ist jetzt übrigens „Unser“ Zimmer geworden. Ich lebe hier in einem Raum im Hinterhof, eines Hauses. Eigentlich sollte Mr. Nekongo in das benachbarte Zimmer einziehen. Aufgrund von Missverständnissen zwischen unserer Vermieterin und des (eigentlich Vor-)Mieters wohnt dieser immer noch dort. So wohnen Mr. Nekongo und ich in einem 9 Quadratmeter Zimmer mit Bad. Am Wochenende fährt er aber immer zu seiner Familie. So richtig gemütlich ist es hier zwar nicht, aber das Wasser funktioniert mittlerweile wenigstens. Anfangs hatte ich nur kochend heißes Wasser, mit dem ich natürlich nicht viel anfangen konnte. Nach einer Woche hatte es die Vermieterin dann auch geschafft, einen Klempner zu organisieren und das Problem war schnellstens beseitigt. Auch wenn ich mich mittlerweile damit angefreundet habe, in der „Stadt“ und nicht mitten im Nirgendwo in der Schule zu leben, freue mich auf ein eigenes Zimmer (das ich mir gemütlich einrichten kann), ein gemütliches Bett und Leitungswasser, das ich trinken kann. Die Vorteile des „Stadtlebens“ werde ich nach dem Umzug aber definitiv auch vermissen. Erstmal wird kein Supermarkt in der Nähe sein. Da ich bis gestern keinen Kühlschrank hatte, war es sehr vorteilhaft, in der Nähe eines Supermarktes zu sein. Auch das Krankenhaus und die Apotheke werden weit entfernt liegen. Außerdem werde ich nicht jeden Abend mit meinen Leuten Basketball spielen können und die beiden anderen Freiwilligen aus Deutschland, die ich mittlerweile hier in Eehnana kennengelernt habe, sind dann auch nochmal ein gutes Stück weiter weg. Die beiden sind mit dem ASC Göttingen hier und arbeiten als Sportlehrer in einer Grundschule. Kennengelernt habe ich sie, da ein Mann aus meiner Basketball-Mannschaft manchmal mit ihnen Volleyball spielt und mir ihre Nummern gab. Daraufhin haben sie mir ein super leckeres Pizza-Restaurant in Eehnana gezeigt. Ich bin gespannt, wie das Leben in der Schule wird. Dort werde ich wenigstens mein Mosquito – Netz aufhängen dürfen. Meine Vermieterin hier möchte das leider nicht.

Ich muss zugeben, daß ich eine schwierigere Anfangszeit hatte, als ich es erwartet hätte. Es hatte definitiv auch damit zu tun, dass ich die Woche, nachdem wir im Norden angekommen sind, aufgrund einer Hautinfektion nicht zur Schule gehen konnte. In dieser Woche wohnte auch Mr. Nekongo noch nicht mit mir in Eehnana. So war ich ne Woche lang ohne Wasser Zuhause. In dieser Woche kam mir alles hier sehr fremd vor und ich hatte Zweifel, ob ich mit diesen Verhältnissen hier gut zurecht kommen werde. Auch hatte ich natürlich die Zweifel, ob ich meinen Job hier gut ausführen kann und vorallem hatte ich Zweifel, ob ich in Eehnana Leute kennenlernen kann, oder ob ich einfach immer so gelangweilt Zuhause bin. (Übrigens auch ohne WLAN, sodass die Freizeitbeschäftigung noch ein wenig eintöniger ist.) Ich musste mich auch ein wenig daran gewöhnen, so auf mich alleine gestellt zu sein. Mr. Nekongo ist hier zwar verantwortlich für mich, aber dann doch nich so verantwortlich für mich, wie es mein Gastvater in Amerika für mich war.

Mittlerweile haben sich diese Zweifel aber gelegt und ich bin wirklich froh, hier zu sein. Eine solche Chance, das Leben hier kennenzulernen ist etwas Besonderes. Alleine mal die Erfahrung zu machen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass das Wasser läuft, werde ich aus diesem Jahr mitnehmen. Ich habe wirklich unsere Lebensstandards/ -qualität und Sicherheit in Deutschland zu schätzen gelernt. Bevor ich hier war, habe ich es natürlich auch schon geschätzt, aber es war ja einfach irgendwie was Normales. Wenn ich wieder zurück bin, werde ich glaube ich einfach mal eine Nacht lang Spazieren gehen und mich sicher fühlen. Eigentlich fühle ich mich hier nicht so unsicher. Aber wenn die Leute, die man hier kennt, einen immer davor warnen, im Dunkeln unterwegs zu sein, dann ist man schon vorsichtig.

Ich muss auch sagen, dass mir das Zusammenleben in der Gesellschaft hier noch sehr fremd vorkommt. Und auch das ganze Jahr noch fremd sein wird. Daran möchte ich mich definitiv auch nicht gewöhnen. Ich gebe mal drei Situationen als Beispiel:

1. Greta und ich fahren mit dem Reisebus in den Norden. Dieser fährt um 18:40 los und kommt so um 4:00 an. Im Bus sind vielleicht zwei freie Plätze. Wir saßen ganz hinten. Etwa zwei Reihen vor uns sitzt eine alte Dame. Da es ja Zeit zum Abendessen wird, fängt diese Dame an, ihre mitgebrachten Hühnerstücke zu essen. Knochen und andere Teile, die sie nicht essen will wandern dann aber nicht in den vor ihr hängenden Müllbeutel, sondern in den Gang, auf den Boden. Recht wiederlich oder? Da würde man sich gerne bei ihr beschweren. Aber das tut keiner. Sie ist eine alte Dame. Hier muss man dem Alter Respekt zollen.

2. Mr. Nekongo und ich sind bei einer Frau, um einen Kühlschrank von ihr zu kaufen. Als wir ankommen, sagt sie, wir sollen uns noch kurz hinsetzen. Wir fragen: „Wieso?“ Sie antwortet: „Ich habe den Kühlschrank noch nicht zuende geputzt. Ich mache den Rest noch schnell für euch, ihr seid ja Männer.“ So sitzen wir also da und gucken ihr beim Putzen zu. Auf meine Frage, ob ich helfen soll, reagiert Mr. Nekongo verwundert und sie will mich definitiv auch nicht helfen lassen. Männer putzen hier nicht.

3. Mr. Nekongo und ich besuchen eine Freundin von ihm nach der Schule in ihrem Haus in Eehnana. Als wir ankommen ist sie noch in der Dusche. Ihre Tochter macht uns auf, wir setzen uns ins Wohnzimmer. Der Fernseher ist an. Es läuft irgendeine total laute, nervige Serie, in der nur rumgeschrien wird. Mr. Nekongo sagt zur Tochter: „Schalte den Sender um.“ Kleine Zusatzinformation. Sie sitzt am anderen Ende des Wohnzimmers, er vor dem Fernseher. Die Fernbedienung liegt in unmittelbarer Nähe zu ihm, sodass er nicht mal aufstehen müsste. Kinder müssen den Älteren gehorchen.

Das Highlight der letzten Wochen war dann aber doch die Hochzeit einer Kollegin. Passend dazu haben mir Greta ein traditionelles Hemd geschenkt. Ich find diese traditionellen Hemden super schön, und vorallem auch das, was ich bekommen habe. Davon werde ich mir noch mehr schneidern lassen! Eine Hochzeit hier besteht aus zwei Feiern, an aufeinander folgenden Tagen. Man feiert einmal bei dem Bräutigam und einmal bei der Braut zuhause. Der Vater vom Bräutigam meiner Kollegin war ein wenig reicher, weswegen die Hochzeit auch ein wenig pompöser war. Anfangs zieht das Brautpaar ein. Nach einigen Reden werden sie dann Beschenkt. Es gab viel, leckeres zu Essen und viele kühle Getränke. Danach wird ein wenig getanzt. Eine traditionelle Hochzeit habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Auch wenn ich mir nichts vorgestellt habe, war es definitiv nicht das, was ich erlebt habe. Aufgrund des leckeren Essens, bin ich aber definitiv ein Fan von Hochzeiten.

Besonders die Hochzeitsfeier der Familie meiner Kollegin hat mir super gefallen. Alle meine Kollegen waren da, es gab „ein wenig“ Fleisch schon vor dem Buffet, wir haben uns willkommen gefühlt und alle waren fröhlich. Beim Bräutigam war es ein wenig anders. Die Stimmung war angespannt und so richtig wohl habe ich mich dort auch nicht gefühlt. Erstmal liefen im Haus des wohlhabenderen Vaters Sicherheitskräfte mit Peitschen rum, dann betonte er während seiner Rede oft, dass uneingeladene Gäste nicht willkommen sind. (Hier ist es so: Wenn man Wind davon bekommt, dass irgendwo eine Hochzeit stattfindet, geht man einfach hin. Egal, ob man das Paar kennt oder nicht.) Und als dann ein Paar uneingeladene Gäste es wohl ins Zelt geschafft haben, und nach zwei Aufforderungungen das Zelt nicht verlassen haben, wurde angekündigt, dass man gleich um die Tische gehen werde und jeden verprügeln würde, der nicht nachweisen kann, dass er eingeladen ist. Hat ne mega tolle Stimmung erzeugt dieser Vater. Naja das Essen war zumindest gut.

Auch die Zeit wieder in Windhoek war ein kleines Highlight. Wir waren wieder im gleichen Guesthouse und hatten so jeder ein Zimmer für uns alleine mit Kühlschrank, laufendem Wasser und Klimaanlage. Luxus. Wenn in Eehnana das Wasser „läuft“ kommt aus der Dusche immer so wenig Wasser, dass ich mit meinen kurzen Haaren schon immer Minuten brauche, um Haare zu waschen. In Windhoek schoss das Wasser aber nur so aus dem Duschkopf. Angenehm. Während unseres Aufenthaltes habe ich versucht, so wenig traditionelles Essen, wie möglich zu essen. Ich esse hier jeden Tag in der Schule traditionelles Essen, dass meist aus Mharangu-(typisches Getreide hier)Brei und einem Stück Fleisch besteht. Einen Abend haben wir auch deutsche Freiwillige kennengelernt, die in Windhoek arbeiten. Wir waren zusammen in einer Bar und haben Fussball geguckt. Im Hintergrund liefen deutsche Schlager. Das verwunderliche: Der Besitzer war nichtmal deutsch. Am Ende des Aufenthaltes haben wir nun beide endlich unser Visum und unsere Freunde in Windhoek wiedergesehen bzw. neue Freunde kennengelernt.

Momentan bin ich sehr gespannt, wann das Haus in der Schule fertig wird. Es ist wohl sehr wahrscheinlich, daß ich schon im November meine Sachen ins Haus bringen kann. Es wird fleißig gebaut.