¿Que pasa ahora?

Circa drei Wochen sind wir nun hier in Tarija. In denen ist viel passiert.

Wir haben das erste Mal auch an einem Vormittag gearbeitet. Das verlief leider nicht so ganz, wie erhofft. Unsere Beschäftigung bestand dabei aus „Haustürmission“. Das ist eine Beschäftigung, die zwar bei uns in Deutschland eher sekptische Blicke erntet, in anderen Ländern aber vollkommen normal ist. So sind wir also mit Pastor Simón von Tür zu Tür gegangen, um mit den Menchen über ihren Glauben zu sprechen. Dabei haben wir uns jedoch ziemlich unwohl gefühlt. Umso glücklicher sind wir darüber, dass nach einem Mal diese Tätigkeit für uns beendet war, Jetzt sind wir gerade dabei, uns ein anderes Projekt für unsere Arbeit am Vormittag zu suchen.

Alternativ zu der Haustürmission am Vormittag besuchen wir jetzt jeden Abend mit Pastor Simón eine Familie unserer Kinder, um uns den Eltern vorzustellen und zu schauen, wie die Kinder leben. Da das Barrio, in dem wir arbeiten, sehr arm ist, handelt es sich bei den Häusern nur um einfache Behausungen. In denen schlafen die Kinder oft mit ihrer ganzen Familie in einem Raum. Dazu gibt es noch eine kleine Küche und ein Bad. Das hindert die Familien jedoch nicht daran, uns total herzlich zu empfangen.

Das Haus eines unserer Kinder

Manchmal steht irgendwo einfach ein Esel, dahinter der Blick auf Tarija

Neben der Arbeit haben wir mittlerweile auch ein paar Aktivitäten gefunden. So wurden wir zum Beispiel an einem Samstag von Pastor Simón und dem Bürgermister unseres Barrios zum Volleyballspielen eingeladen. Eine Einladung, die wir natürlich sehr gerne angenommen haben. Des Weiteren treffen wir uns immer gerne und oft mit den anderen deutschen Freiwilligen hier in Tarija. Und seit letztem Dienstag belegen wir hier einen Tanzkurs für Salsa und Bachata. Dabei handelt es sich um einen dreiwöchugen Intensivkurs, bei dem wir uns jetzt jeden Abend für eine Stunde treffen, um die beiden Tänze zu lernen. Das macht sehr viel Spaß.

Am letzten Freitag musste der Tanzkurs jedoch leider ausfallen. Grund dafür war die Präsidentschaftswahl , die am letzten Sonntag stattfand. Bereits seid wir hier sind, begleitet uns die Wahl, da man überall, wo man hinschaut, Wahlwerbung an den Hausfassaden sieht.

Wahlwerbung an einer Mauer auf dem Weg zum Titicacasee

Am Freitagabend wurde das dann nochmal auf eine höhere Stufe gehoben. Ab dann galt nämlich für 48 Stunden ein Ausnahmezustand, „auto de buen gobierno“ genannt. In diesem Zeitraum war es verboten Demonstrationen abzuhalten, öffentliche Feiern zu veranstalten und Alkohol sowohl öffentlich, als auch privat zu konsumieren. Am Sonntag wurde der Ausnahmezustand dann nochmal verstärkt. An diesem Wahltag gab es zusätzlich ein Fahrverbot für das gesamte Land.

Seitdem hat sich die Situation nicht wirklich verbessert. Nachdem am Sonntagabend alles danach aussah, dass es zu einer zweiten Wahlrunde kommen werde, wurde die vorläufige Auszählung der Stimmen unterbrochen. Stattdessen wurde angekündigt, gleich mit der Feinauszählung zu beginnen. Am Montagabend, also 24 Stunden später wurde dann bekannt gegeben, dass nach Auszählen von 95% der Stimmen, Evo Morales doch gewonnen habe und keine Stichwahl notwendig sei.

In Bolivien benötigt ein Präsidentschaftskandidat mindestens 50% der Stimmen um zu gewinnen. Alternativ ist es auch möglich, mit mindestens 40% der Stimmen zu gewinnen. In diesem Falll benötigt man aber mindestens 10% mehr als der Zweitplatzierte. Zunächst hieß es, dass Evo Morales diese 10% mehr nicht hat, jetzt jedoch knapp mehr als 10% als der Zweitplatzierte Carlos Mesa.

Darüber sind die Menschen hier in Bolivien nicht sehr glücklich, wodurch es in vielen Städten, unter Anderem auch in Tarija, zu gewaltsamem Ausschreitungen kommt. Viele werfen Evo Morales Wahlbetrug vor. Da wir in einem sehr abgelegenen Stadtteil wohnen, ist es für uns jedoch ziemlich sicher, solange wir das Stadtzentrum meiden. Wir werden eher von den diversen Straßenblockaden in der Stadt eingeschränkt, da dadurch auch die Micros der Linie S nicht fahren und wir nicht aus unserem Barrio kommen. Das heißt, wir können nicht zur Arbeit und auch nicht in die Stadt.

Heute Abend soll das endgültige Ergebnis der Wahl bekannt gegeben werden. Wir sind schon sehr gespannt, wie das Ergebnis nun am Ende wirklich ausfallen wird und, wie sich die Situation entwickelt. Ich werde davon berichten. Bis dahin:

¡Hasta luego!