Geburtstag, Ausflug, Hochzeit

Die letzte Woche begann mit meinem 19. Geburtstag. Der Tag startete mit einem Ständchen von den Kids und am Nachmittag kam dann Moritz mit dem Taxi aus Eenhana zum Kindergarten. Im Gepäck hatte er zwei kleine Küchlein aus dem Supermarkt, eine singende Kerze, eine Packung voller „Papierknallbonbons“ und eine Dose mit Äpfeln. Denn eigentlich hatten Ndamona und Moritz geplant einen Apfelkuchen zu backen, aber im Supermarkt gabs dann keine Eier mehr, weshalb das mit dem Kuchen dann doch nicht geklappt hat. Und auch hatte Ndamona für mich ein traditionelles Kleid schneidern lassen, was leider zu groß geworden ist und auch von dem Muster war vor allem Ndamona nicht begeistert. Sie meinte ich sehe in dem Kleid aus wie eine Meekulu (Oma), weil nur diese solche großen Kleider mit einem solchem Muster tragen würden:D Da war die Schneiderin beim Aussuchen der Stoffe und beim Nähnen wohl in Gedanken eher bei einem anderen Kunden. Neuer schöner Stoff ist aber schon gekauft und diesmal von uns ausgesucht, sodass das nächste Kleid hoffentlich gut wird;)

Wir haben dann ganz entspannt auf Stühlen oder in Autoreifen sitzend im Sand den Kuchen gegessen. Als alle Kids dann gegen 16 Uhr abgeholt waren, haben auch wir uns auf den Rückweg gemacht. Und den restlichen Tag habe ich noch alle lieben Nachrichten aus Deutschland beantwortet (ich hab mich wirklich sehr über all die Glückwünsche gefreut! :)) Und Ndamonas Schwester und Chris haben mir dann abends noch Brötchen gefüllt mit Sahne und bunten Streuseln vorbeigebracht.

Die Papierkronen und die Sticker waren in den Papierknalltüten

Allgemein kann man sagen, dass Geburtstage hier nicht so eine große Rolle spielen wie in Deutschland. Ndamona meinte sogar, dass es vorkommen kann, dass die Eltern die Geburtstage ihrer Kinder vergessen und mit großen Geschenke rechnen die Kinder hier auch nicht. Ich muss sagen, ich fand es mal richtig angenehm so einen „unaufregenden“ Geburtstag zu erleben, ohne viel drumherum, einfach nur ein paar liebe Worte und nette Menschen um mich herum. Und die eigene Familie aus Deutschland ist Dank des Internets ja auch gar nicht mehr so weit weg;) 

Am Mittwoch stand dann der große Ausflug an. Als wir um kurz vor sieben am Kindergarten ankamen, stand der Bus schon vor dem Tor. Nach und nach kamen dann die Kinder und kletterten in den Bus. Damit hier jedoch keiner falsche Vorstellungen von diesem Bus hat, beschreibe ich diesen einmal kurz. Es gab circa 20 Sitzplätze, aber gefahren sind wir mit knapp 50 kleinen Kindern, die mindestens zu dritt auf zwei Sitzplätzen saßen oder standen. Die Frontscheibe hatte wohl einen Steinschlag abbekommen und ein Riss zog sich einmal diagonal über die Scheibe. Allgemein kann man sagen, dass hier egal in welchem Verkehrsmittel nicht viel Wert auf den Anschnallgurt geleget wird. Nur wenn man bei einer Polizeikontrolle vorbeikommt wird sich schnell angeschnallt, da man sonst knapp 100€ Strafgeld zahlen muss. Da ich im Bus ganz vorne saß, ist mir auch die Tankanzeige aufgefallen. Diese befand sich von Anfang an auf dem Tiefststand und die Warnleuchte blinkte immer auf. Aber als wir dann am Nachmittag einmal tanken waren und sich der Zeiger immer noch nicht bewegte, war ich auf der einen Seiten erleichtert scheinbar nicht die ganze Zeit mit ziemlich leeren Tank gefahren zu sein, aber auf der anderen Seite habe ich mich auch gefragt, wie der Fahrer nun wusste, wann er tanken sollte und wann nicht. Ich werde es wohl nie herausfinden.

Mit diesem Bus sind wir dann also nach Oshikango zum Bahnhof, einem Bahngleis mit einem Häuschen davor, gefahren. Zunächst befand sich nur der Wagon vor Ort, aber nachdem etwas Zeit vergangen war, kam die Lock mit Dampf und „Hup Hup“, wie in alten Filmen. Generell war der Zug eher ein älteres Modell, es hab verschiedene Abteile mit sich jeweils gegenüber stehenden Sitzbänken und über diesen befand sich eine Liegefläche, die mir aber auch eher alt und kaputt schien. Da die Kids vorher noch nie in ihrem Leben mit einem Zug gefahren sind, waren sie wirklich sehr begeistert. Es wurde gleich der Proviant für den Tag ausgepackt und aufgesessen und der Zug unter die Lupe genommen.

In Ondangwa angekommen, hat dort auch schon wieder unser Bus auf uns gewartet. Mit diesem ging es dann weiter nach Oshakati zum „Bennie’s Park“, einem Freizeitwasserpark. Wie es sich dann jedoch herausstellte, befand sich das Kinderbecken unter Renovierungsarbeiten, sodass die schon größeren Kinder leider nicht baden gehen konnten. Generell kann man sich den Bennie’s Park eher wie ein Schwimmbad mit einem größeren Becken+Rutsche und dem Kinderbecken vorstellen. Aber auch der Rutsche fehlte es an Wasser und sie war nicht nutzbar. Jedoch kann man bei der Wasserknappheit auch gut verstehen, dass so ein Schwimmbecken keine große Priorität hat. Die Kinder hatten trotzdem viel Spaß und konnten sich auf dem Spielplatz austoben. Nach gut einer Stunde waren sie auch alle echt geschafft.

Auf dem Rückweg sind wir noch bei „PicknPay“, einem Supermarkt vorbeigefahren, wo wir am Dienstag schon Sachen bei der Bäckerei vorbestellt hatten. Nun war es jedoch so, dass unsere Bestellung erst in einer halben Stunde fertig gewesen wäre und wir die Kinder im Bus nicht so lange warten lassen konnten. Also mussten wir improvisieren. Unter anderen gabs nun also Hotdogs, die man schon fertig und eingeschweißt in Plastik kaufen kann, was mir etwas fremd war, aber hier scheinbar ganz normal ist.

Wir haben dann einfach dort am Straßenrand mit dem Bus angehalten, wo Bäume und etwas Schatten war, und dann wurde gegessen und Fanta getrunken.

Hier ist es leider so, dass es kein großes Bewusstsein über den richtigen Umgang mit Plastikmüll und Müll im Allgemeinen gibt. Und so kommt es, dass man eigentlich überall Plastikmüll findet, wenn man sich umschaut. Und so lassen leider auch die Kids oft ihren Müll einfach im Sand liegen. 

Nach der Pause haben wir uns dann weiter auf den Rückweg zum Kindergarten gemacht, wo wir gegen 15 Uhr ankamen.

Ich hatte am Dienstag eine WhatsApp Gruppe mit all den Eltern erstellt, da Ndamona sie sonst immer alle angerufen hatte und sie die Idee einer Gruppe auch gut fand. Ein einfacher Weg um alle Eltern der Kinder ohne große Schwierigkeiten zu erreichen. Dachten wir… Ich hatte ca. 1 Stunde bevor wir den Kindergarten erreicht haben die Eltern über die Ankunftszeit informiert. Und obwohl wir sogar noch 15 Minuten zu spät ankamen, waren nur drei Mütter da. Hätte auf jeden Fall besser klappen können, aber man muss ja auch sagen, dass es der erste Versuch war. Wir bleiben weiter optimistisch und hoffen, dass es beim nächsten mal vielleicht schon etwas besser klappt. 

Wir waren dann noch bis um 17 Uhr im Kindergarten und am Ende blieb nur noch ein Mädchen übrig, dass nicht abgeholt wurde. Wir haben sie dann mit zu uns in die Wohnung genommen und sie wurde dann tatsächlich erst kurz nach 19 Uhr von ihrem Papa bei uns eingesammelt. Am Freitag war es sogar so, dass Chris (die andere Kindergärtnerin) ein Kind zur Polizeistation gebracht hatte, weil es schon so spät war und das Kind dann dort abgeholt werden sollte. Jedoch war der Papa nicht erreichbar und auch um 20 Uhr war das Kind immer noch auf der Polizeistation. Man merkt also, die Zeiten werden hier (vor allem von den Eltern der Kids) nicht so streng genommen. 

Am Freitag waren Ndamona und ich zu einer Hochzeit eingeladen, meiner ersten namibianischen Hochzeit. Da sie mit einem Gottesdienst um 10 Uhr beginnen sollte, waren wir an diesem Tag nicht im Kindergarten. Und falls ihr euch jetzt fragt, ob nun Freunde oder Verwandte von Ndamona an diesem Tag geheiratet haben, kann ich euch versichern, es war weder das Eine noch das Andere. Ndamona kannte das Brautpaar genauso wenig wie ich. Am Donnerstag kam nur zufällig der Vermieter (Joseph) des Grundstücks, auf welchem der Kindergarten steht, vorbei und hat uns spontan gefragt, ob wir ihn nicht auf die Hochzeit begleiten möchten. Da auch bei ihm schonmal eine Freiwillige gewohnt hat, meinte er, dass er so eine Chance nutzen müsse um mir etwas mehr von der Kultur des Landes zu zeigen. Und so kam es dann, dass wir um 10 Uhr vor der Kirche standen und auf das Brautpaar warteten. Als die beiden dann kamen, konnte man sehen wie die Braut mit ihren Highheels im Sand und ihrem langen Kleid kämpfen musste um nicht zu stolpern, aber als dann die Trauung vorbei war, musste das frischgebackene Ehepaar (ich glaube) zu ihrer Freude nur noch sitzen und sich die zahlreichen Reden anhören. Nach circa 3 ½ Stunden waren nicht nur Ndamona und ich, sondern auch die Kirchengemeinde und auch das Brautpaar geschafft. Der Braut waren zwischendurch sogar immer wieder für ein paar Minuten die Augen zugefallen. Man kann sich also vielleicht ganz gut vorstellen, wie der Gottesdienst für alle anderen war, die es nicht direkt betroffen hat;)

Nach dem Gottesdienst sind wir dann nochmal bis zum Nachmittag zurück zur Wohnung gefahren, da in dieser Zeit nur Bilder gemacht wurden. Und gegen 16 Uhr wurden wir wieder von Joseph abgeholt und es ging zur Hochzeitslocation. Da die Eltern der Braut laut Joseph und Ndamona sehr viel Geld haben, war das Ambiente auch dementsprechend groß und thematisch aufwendig und hübsch dekoriert. Nachdem traditionnelle Geschenke überreicht wurden, ging es zum Essen. Und was mich etwas verwundert hatte, dass die meisten Gäste nach dem Essen einfach direkt gegangen sind. Da wir ja aber auch nur über Ecken eingeladene Gäste waren, haben auch wir uns dann auf den Rückweg gemacht. Alles in allem eine wirklich beeindruckende Erfahrung, auch wenn ich mich freuen würde nochmal eine ganz traditionelle Hochzeit besuchen zu können:)

Am Wochenende war die Zeit gekommen, dass erste mal Wäsche zu waschen. Wir hatten nun eine Woche lang kein fließendes Wasser, weshalb wir das geholte Wasser dann eher zum Kochen oder zur Katzenwäsche genutzt haben. Da nun aber wieder Wasser in den Leitungen ist, konnten wir uns der Schmutzwäsche widmen. Und das passiert hier nicht ganz bequem mit einer Waschmaschine und vielleicht sogar noch einem Trockner, sondern ganz einfach mit der Hand. Durch die Tricks von Ndamona hat es aber auch schon ganz gut geklappt, auch wenn ich glaube, dass doch noch genug Luft nach oben ist;) 

Auch haben wir in dieser Woche Bescheid bekommen, dass unser Antrag für das Visum angenommen wurde und wir nun in nächster Zeit nochmal nach Windhoek reisen müssen, um es abzuholen. Es wird also nicht langweilig;) 

Bis dahin viele sonnige Grüße aus Namibia!

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