Wie viel mal Busverpassen sind einmal Schokolade?

Was klingt wie aus Kaleb Erdmanns Poetry Slam, ist leider eine echte Überlegung von mir. Während ich bei meinem allerersten Einkauf in Israel total überfordert war von all den unsortierten Regalen, in denen sich Dinge stapeln, deren Aufschrift ich -wenn überhaupt- nur mit Mühe lesen kann, habe ich inzwischen einige Feststellungen gemacht:
1. Das Ordnungsprinzip hat mit unserem wenig zu tun, Pesto steht z. B. neben den Taschentüchern. Wenn man also mehrere Sachen braucht, kann man als Fremder gründliche Spaziergänge durch den Laden unternehmen.
2. Gerade die amerikanischen Marken, aber auch einige andere, sind echt omnipräsent.
3. Besagt Marken benutzen dann das gleiche Logo, schreiben den Namen aber in hebräischen Buchstaben, sehr witzig.
3. Scheibenkäse wird hier eigentlich gar nicht gegessen, also ist er im Supermarkt sehr rar und teuer, 15₪!!!
4. Die Humus-Auswahl ist allen Ernstes einen ganzen Meter lang!
5. Hier gibt es Mangos, Avocados, Melonen, Granatäpfel, Datteln usw aus der Region und sie schmecken sooo lecker!!
6., und das ist echt das Letzte: Schokolade ist hier furchtbar teuer, etwa um die 10 Schekel (2,50-3€), während man für 5₪ Bus fahren kann?! Die Antwort auf die Eingangsfrage wäre damit wohl zwei 🙂

Als passionierte Spaziergängerin verzichte ich aber meistens auf den Bus (oder er hat sowieso andere Abfahrtzeiten als ich), sodass ich mir guten Gewissens trotzdem Schokolade gönnen kann und ganz nebenbei auch an Orientierung gewinne. Zu Fuß gehen ist hier relativ verlaufsicher, es gibt überwiegend ringförmige Einbahnstraßen, die von der Hauptstraße ausgehen und auf dieser auch wieder enden. Leider heißt dass auch, dass man, wenn man keine kilometerweiten Umwege gehen will, hauptsächlich an der Hauptstraße entlang geht.
Die nächste Natur ist auch nicht gerade nah an unserer Haustür, dafür hört man immer Verkehrslärm. Das ist für eine, die bisher in Badenhausen und dem noch viel kleineren Wehrda gelebt hat, gewöhnungsbedürftig.

Daher habe ich mich mit Annika zusammen auf die Suche nach Natur begeben und einen Nationalpark gefunden. Der ist sehr groß und man hört dort keine Autos! „O Täler weit, o Höhen!“, schießt es mir bei der Aussicht sofort in den Sinn – bei „O schöner, grüner Wald“ muss ich dann aber doch schmunzeln, den gib es hier nämlich nicht. Stattdessen sehen wir schulterhohe Distelfelder, Kakteenwälder, Olivenhaine und lauter Familien, die über die staubigen Wege spazieren. Kann man sich zwar alles denken bei einem Land, in dem es von Mai bis Oktober nicht regnet und auch jetzt noch 30 Grad warm ist, fand ich aber trotzdem erstaunlich.
Unsere kleine Wanderung endet bei Einbruch der Dunkelheit mit einem gemütlichen Picknick, wunderschön, und dann ist es leider schon Zeit, an der Hauptstraße entlang nach Hause zu gehen.

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