Angekommen im Norden

Am Freitag letzter Woche begann unsere Reise in den Norden von Namibia. Wir sind mit einem Intercape Bus, also einem namibianischen Reisebus, über die Nacht bis nach Ondangwa gefahren.

Als wir am Donnerstag schon unser Ticket gekauft hatten, wurden wir im Voraus darüber informiert, dass unser Koffer nur 20 kg wiegen dürfe und man ansonsten vor Ort extra zu zahlen müsse. Nun war es ja so, dass wir schon mit +-23 kg nach Namibia gereist sind und uns in Windheok auch noch ein paar Sachen gekauft haben, sodass der Koffer nicht gerade leichter wurde. Aber da man pro Kilogramm über 20 kg nur 6N$, also umgerechnet ca. 37 Cent zahlen musste, war es eher unser Ziel unseren Koffer überhaupt zu zubekommen;) 

Am Ende ist mein Koffer zum Glück nicht geplatzt, der Reißverschluss hat es auch überlebt und er wog nur 2kg mehr als am Flughafen in Hannover, sodass ich nur 30N$ (1,8€) extra zahlen musste. Und wir haben es sogar auch noch geschafft, dass wir einen unserer Handgepäck Rucksäcke in den Lagerraum der Koffer packen durften, ohne etwas dafür zu zahlen. Denn dem Ticket zu folge war auch nur ein Handgepäckstück erlaubt. Und wenige Minuten später fanden wir auch heraus warum. 

Auf den ersten Blick sah der Reisebus von Innen wirklich super aus, jedoch konnte man durch den zweiten Blick schon erahnen, dass das keine angenehme Fahrt für unsere Beine werden würde oder viel Gepäck in den Bus passen würde. Denn der Bus schien eher auf Menschen ausgelegt zu sein, die aller höchstens 1,70m messen und kurze Beine haben. Da wir nun aber eher groß sind und lange Beine haben, wurde es schon beim normalen Sitzen eng, sodass unsere Mitfahrer, die die Plätze vor uns belegten, leider keine Chance hatten, ihre Sitze gemütlich nach hinten zu schieben, da sie sonst unsere Knie im Rücken gehabt hätten. 

Trotz Alledem konnten wir ein wenig Schlaf finden und sind dann pünktlich um 4 Uhr nachts in Ondangwa angekommen. Dort hat uns dann Mr. Nashihanga, der „Geschäftsführer“ der ELCIN Kirche, um halb fünf Uhr morgens abgeholt und uns zu dem Guest House der Kirche in Oniipa gebracht. In diesem Guest House haben wir dann das Wochenende verbracht. Und viel haben wir dort dann auch nicht unternommen, weil es ein eher kleines Örtchen war. Wir sind einmal zum Supermarkt gegangen und am Sonntag waren wir in der Kirche. Und auch wenn das nur kleinere Ausflüge waren, haben wir dadurch schon mal einen ersten Eindruck von der Wärme hier im Norden bekommen. Denn hier ist es dann doch nochmal deutlich wärmer als in Windhoek.

Während des Wochenendes wurde auch immer lecker für uns gekocht. Und tatsächlich wurde fast immer nur für uns zwei gekocht, da entweder kein anderer Gast da war oder kein anderer Gast dort gegessen hat. Am letzten Abend kam die Köchin dann zu uns, um uns selbstgeflochtene Schälchen, Topfuntersetzer etc. zu verkaufen. Ich habe mich dann für eine Schale entschieden, die ich jetzt als Ablage benutze:)

Zufälligerweise haben wir im Guest House auch ein Chormitglied aus Windhoek wiedergetroffen

Am Montag wurde ich nun von Ndamona, der Kindergartenleiterin, und Moritz von dem Schulleiter seiner Schule abgeholt. Und bevor Mr. Nashihanga Ndamona und mich nach Ondobe zu Ndamonas Wohnung gefahren hat, wurden wir vier noch eingeladen dem Bischof des Landes „Hallo“ zu sagen. Ich habe Ndamona danach gefragt, ob sie ihn jemals zuvor persönlich gesehen oder gesprochen habe, sie antwortete darauf nur, dass man ihn sonst ausschließlich im Fernsehen sehen würde. 

In Ondobe angekommen, wollten wir dann erstmal meinen ganzen Kram in die Wohnung bringen. Jedoch war es gar nicht so einfach in die Wohnung zu kommen wie anfangs gedacht. Denn Ndamomas Schwester, die zur Zeit mit uns wohnt, war am Vormittag nach Ndamona aus dem Haus gegangen und sollte den Schlüssel hinter dem Küchenfenster verstecken und das Fenster nur anlehnen. Nun war es aber so, dass das Fenster doch zu und verriegelt war, sodass wir es auch nicht nach mehreren Versuchen hinbekommen haben, es zu öffnen. Unsere erste Idee war es die Vermieterin nach dem Zweitschlüssel zu fragen, nur komischerweise hatte sie alle anderen Wohnungsschlüssel, außer unseren. Also war die zweite Schlussfolgerung von Ndamona das Küchenfenster mit einem Stein einzuschlagen um an den Schlüssel zu kommen. Und da ist mir aufgefallen, dass in Deutschland wohl keiner in dieser Situation einfach mal so sein Fenster einschlagen würde. Aber sie meinte, sie habe noch irgendwo so eine Fensterscheibe rumliegen, die dann jemand für sie dort einsetzen könne. Den Stein schon in der Hand und schon einmal auf die Scheibe gehauen, kam eine Nachbarin mit zwei Messern raus und mit der Idee, einfach die Dichtung versuchen abzukratzen. Und da das dann doch das kleinere Übel war, haben wir fleißig die Dichtung abgekratzt und rausgebrochen, bis wir schließlich die Scheibe rausnehmen konnten, an die Schlüssel kamen und in die Wohnung konnten.

Keine Scheibe mehr, dafür aber die Schlüssel

Die Wohnung in der wir leben ist recht klein, hat aber eine kleine Küche, eine Badezimmer und ein Schlafzimmer, dass Ndamona nutzt. Ich habe ein Bett im „Zwischenraum“, also dem Raum, der alle anderen Räume miteinander verbindet.  Nachdem wir am Dienstag dann noch einen Schrank und ein Regal für meine Sachen gekauft haben, sieht es wirklich aus wie ein kleines eigenes Zimmer und ich fühle mich richtig wohl:) 

Da mein Bett ja auch quasi im Wohn-und Esszimmer steht, ist kein Platz mehr für einen Tisch und Stühle, sodass der Boden nun beides ersetzt. Aber wir haben uns noch drei Hocker gekauft, die wir dann entweder zum Sitzen verwenden können oder auch als Tisch für den Teller. 

Am Dienstag war dann nun endlich mein erster Arbeitstag im Kindergarten bzw in der Vorschule. Wir sind gegen 6:20 losgegangen (ich bepackt mit den Geschenken für die Kids) und wir alle mit den roten „Seesen Stoffbeuteln“, die ich ihr und Chris (Ndamonas Cousine, die auch im Kindergarten arbeitet) mitgebracht hatte. Um kurz vor sieben sind wir dann am Kindergarten angekommen, wo schon die ersten Kinder vor dem Tor gewartet haben. Bis 8 Uhr sind dann alle eingetrudelt. Und mal wurde ich nur schüchtern betrachtet und angelächelt, mal wurde ich mit „Good morning Teacher Franka (oder Rosa)“ angesprochen, da die beiden Freiwilligen vor mir so hießen, und manchmal kam auch schon „Good morning Teacher Greta. How are you?“, was mich natürlich sehr gefreut hat;) Die Schüchternheit haben die ca. 90 Kinder dann aber auch sehr schnell abgelegt. Zuerst wurden ein paar Lieder gesungen (oder eher geschrien). Währenddessen waren alle kleinen Äuglein auf mich gerichtet, ich hatte an jedem meiner Finger mindestens zwei kleine Hände und die geballte Lautstärke der Kinder gelang direkt in meine noch von Ruhe verwöhnten Ohren. Und als ich dann meine Geschenke, unter anderem einen Fußball, ein Springseil und eine Frisbee (diese sahen sie zum ersten mal in ihrem Leben) ausgepackt habe, hatte ich dann keinen Millimeter mehr um mich herum frei.

Die Vorschulklasse oder auch „the microwave“

Kurz darauf bin ich dann mit Ndamona und den Vorschulkindern in das Klassenzimmer  gegangen, was die Kids auch liebevoll als „Mikrowelle“ bezeichnen, da es aus Wellblechen gebaut ist und sich dementsprechend aufheizt sobald die Sonne da ist. Bis zur ersten Pause wurde dann das Alphabet geübt, die Zahlen bis 20 und das Schreiben des eigenen Namen. Nach der Pause hatten die Kinder dann nochmal eine Stunde Zeit zum Malen. Und ich hatte den Kids auch vier Zeichenschablonen mitgebracht, mit verschiedenen Motiven vom Weihnachtsbaum bis hin zur Geburtstagstorte. Da aber in der Vorschulklasse ca. 40 Kinder sind, wurde es schwierig, dass jede/r die Chance bekam einmal etwas abzuzeichnen. Also habe ich (den Fehler gemacht und) angefangen, einem Mädchen eine Blume zum Ausmalen zu zeichnen… Die restliche Stunde war ich dann umzingelt von kleinen Kindern, die entweder einen Tannenbaum, ein Baby, ein Auto oder ein Blume gezeichnet haben wollten. Aber ich glaube es war auch ein guter Weg, dass die Kinder mich und ich sie schon etwas besser kennenlernen konnte!

Ich bin sicher, dass es noch ein wenig Zeit brauchen wird, bis ich mir die Namen der ganzen Kinder gemerkt habe. Aber da auch sehr viele Kids „moderne“ Namen haben wie zb. Jordan, Jessica oder Frans, bin ich bis jetzt noch optimistisch, dass es wirklich was werden kann;)

Mit Autoreifen spielen die Kinder am liebsten

Am Freitagabend haben wir dann auch das erste mal ein traditionelles Abendbrot zubereitet. Es gab Oshifima mit Spinat (gemischt mit Zwiebeln und Tomaten) und Würmern, die frisch vom Markt kamen und noch im Topf in etwas Wasser und Salz gekocht wurden. Und dieses mal haben die kleinen Tiere viel besser geschmeckt als das erste mal in Windhoek, sodass ich mir wirklich vorstellen kann das öfter zu essen:)

Da ich schon seit letzter Woche krank war, bin ich am Samstag in Eenhana, als wir auch Moritz besucht haben, nochmal zur Sicherheit zum Arzt gegangen. Und so ein Arztbesuch ist dann auch nochmal etwas anders als in Deutschland. Das Gute war, dass ich nur ca. 10 min warten musste, obwohl ich dort einfach so vorbeigegangen bin ohne vorher anzurufen und einen Termin auszumachen. Bevor ich dann in den Raum von der Ärztin gebracht wurde, wurde auch noch meine Temperatur und mein Blutdruck gemessen. Und da ich das aus Deutschland so kannte, dass man erstmal einen Fragebogen ausfüllen muss, wenn man zu einem neuen Arzt geht, hatte ich eigentlich schon fest damit gerechnet. Aber scheinbar sparen sie sich hier den ganzen Papierkram, was ich ganz angenehm fand;) Im Arztzimmer angekommen, hab ich kurz erzählt warum ich hier bin. Und dann meinte sie, dass sie sich meine Mandeln mal anschauen würde. Sie nahm ihr Handy raus, stellte die Taschenlampe an, schaute aus einiger Entfernung in meinen Mund, und das wars dann auch schon. Ich hab jetzt drei verschiedene Sachen verschrieben bekommen, bin aber ganz zuversichtlich, dass das nun helfen wird. Insgesamt habe ich für die „Behandlung“ 280N$ (17,5€) und für die Medikamente nochmal 290N$ (ca. 18€) gezahlt und die Apotheke war praktischerweise direkt im Ärztehaus.

Die Apotheke

Diesen Sonntag haben wir das erste mal die Oma von Ndamona besucht. Sie lebt noch ganz traditionell. Ich hatte ihr eine Mütze und selbstgestrickte Socken meiner Oma aus Deutschland mitgebracht, über die sie sich sehr gefreut hat, was mich sehr gefreut hat. Und auch hat sie immer gegrinst, wenn ich mal einzelne Wörter oder auch einen Satz auf Ohikwanyama gesagt habe. Aber ihre Antwort habe ich leider nicht verstanden, da mein Wortschatz noch nicht sehr groß ist, aber da konnte dann ja zum Ndamona für mich auf Englisch übersetzen.

Die neue Mütze;)

Nächste Woche beginnt nun meine erste volle Arbeitswoche und ich freu mich schon sehr, zumal am Mittwoch auch direkt ein Ausflug mit den ganzen Kids geplant ist!

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