Müde? Nee.

Aufgrund des jüdischen Festtages Rosh Hashana hatte ich vier Tage frei. In diesen Tagen habe ich viel erlebt. Von der Besichtigung einer historischen Stadt über einen Strandtag mit meiner Gastfamilie bis hin zu einem Besuch der Synagoge.

Samstag. 28.09. Ausflug mit Geraldine nach Caesarea. Geraldine ist die Frau von Uri, der sich in Kiriat Tivon um Volontäre aus Braunschweig kümmert. Caesarea liegt zwischen Tel Aviv und Haifa an der Mittelmeerküste. In Caesarea gibt es eine historische Altstadt, eine arme arabische Gegend und ein Viertel der Reichen, in dem übrigens Netanjahu sein Haus hat. Mir hat Geraldine das historische Caesarea gezeigt. Es handelt sich hierbei um Ruinen der alten römischen Stadt, die ausgegraben und zugänglich gemacht wurden. Dieses historische Caesarea hat König Herodes in Pracht und Prunk bauen lassen. Es gab einen Tempel, ein Theater, ein Badehaus, eine Pferderennstrecke und den Königspalast auf dem Meer. Heute können noch die Steinwände, Säulen und die Mosaike aus dieser vergangenen Zeit bestaunt werden. Sowie das Aquadukt, welches sich vom Karmelgebirge aus nach Caesarea schlängelt. Es ist ein sehr besonderes Gefühl auf den Mosaiken zu laufen, die ein Teil des damaligen römischen Lebens waren. Es ist als ginge man ihre Wege nach. Es erstaunt mich immer wieder wie viele Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten im heutigen Boden schlummern und förmlich nur darauf warten entdeckt zu werden. Diese enorme Verknüpfung der Zeiten ist für mich schwer zu fassen, schlicht unvorstellbar. Doch nicht nur die Römer, die ja irgendwie fast überall gewesen sind, haben ihre Spuren in Caesarea hinterlassen. Da waren auch noch die Byzantiner, die Kreuzritter und die Muslime. Aus all diesen verschiedenen Epochen konnten hier Fundstücke bestaunt werden. Von den römischen Statuen, über das christliche Lamm bis hin zu arabischen Inschriften. Denn jede Zeitepoche hat ihre Spuren hinterlassen, die sich übereinander aufschichten. Und die heute entdeckt und ausgegraben werden.

Sonntag. 29.09. Tag mit meiner Gastfamilie am Meer. Meine Gastfamilie hat einen Wohnwagen auf einem Campingplatz am Strand von Dor. Ein sehr gemütliches Plätzchen mit Überdachung und darunter Sofa, Esszeile und Wohnwagen. Dort angekommen wurde erst einmal gefrühstückt. Danach habe ich mit den zwei kleineren Mädchen getobt, mit dem Ball gespielt und ein Kartenspiel gespielt. Sie turnen fleißig auf mir herum und stellen mir Fragen, die ich meist unwissend mit „In Ordnung“ und „Ja“ beantworte. Doch anstelle dies auszunutzen, merken sie, dass ich sie nicht verstehe und bitten ihre Eltern zu übersetzen. Anschließend habe ich zum ersten Mal in meiner Zeit in Israel im Mittelmeer gebadet. Es ist so wunderschön. Leerer Strand aufgrund des Feiertags. Herrliches blaues Wasser. Weißer Sandstrand. Was ich wirklich liebe ist es mich mit dem Rücken aufs Wasser zu legen und mich tragen zu lassen. Das Besondere ist, das kann ich hier für Stunden machen. Aufgrund des hohen Salzgehaltes gehe ich nicht unter. Mit dem großen Mädchen, sie ist 14 Jahre alt, bin ich zu einer kleinen Insel im Meer hingeschwommen. Diese konnten wir auf den Felsen drumherum umrunden. Das war ein Erlebnis. Die Wellen sind die ganze Zeit mit Vollkaracho gegen die Insel gekracht und wir mussten auf den Felsen unser Gleichgewicht halten. Das war echt cool. Zurück im Schatten haben wir beide Back Gammon gespielt, bzw. „Scheschbesch“, wie es auf Hebräisch heißt. Das war besonders für mich, da ich vor meiner Abreise mit meinem Papa Back Gammon gespielt habe und mir schon vorgestellt habe, wie ich das in Israel auch mal tun würde, da dieses Spiel hier sehr beliebt ist. Am Sonntag war es dann so weit. Danach ging es in die zweite Spielerunde mit den Kleinen. Anschließend bin ich mit der Großen im Meer tauchen gegangen auf der Suche nach Fischen. Beim Tauchen hatte ich noch nicht so den Dreh raus, ich habe immer wieder Salzwasser in den Mund bekommen, was fies gebrannt hat. Doch Fische habe ich trotzdem beobachten können. Einen riesigen Schwarm kleiner Fische, wie ich ihn bisher nur aus Fernsehdokus kannte, und wir mittendrin. Das war aufregend. Danach habe ich es dann doch mal geschafft mich zurück zu ziehen und habe mich einfach mit einem Buch auf dem Sofa verschanzt. Abends kam dann die ganze große Familie mit Verwandten dazu und wir hatten ein Festessen zu Rosh Hashana. Vor dem Essen wurden einige hebräische Lieder angestimmt und danach wurde reingehauen. Ich habe mir den Bauch mit dem leckeren Essen vollgeschlagen. Das Beste war der Nachtisch. In Alkohol eingelegte Birne. So hat der Tag einen süßen Abschluss gefunden und das neue Jahr einen schönen Beginn.

Montag. 30.09. Johanna und ich begleiten Uri und Geraldine zum Rosh Hashana Gottesdienst in die Synagoge. Wir sind gespannt, einen jüdischen Gottesdienst zu erleben und freuen uns auf dessen festliche Besonderheiten. Der Gottesdienst findet in einem ganz normalen Raum statt. Mit im Halbkreis aufgestellten Stühlen. Einem Tisch als Altar. Dahinter ein Schrank mit besticktem Vorhang, in dem die Torarollen aufbewahrt werden. Viele sind in weiß gekleidet. Es handelt sich um eine liberale Gemeinschaft. Die Männer tragen eine Kippa auf dem Kopf und einen Tallit über den Schultern. Die meiste Zeit wird gesungen. Johanna und ich summen mit oder lesen uns die englische Übersetzung durch. Tatsächlich gibt es keine Noten, sondern es steht nur der Text geschrieben. Teil des Gottesdienst ist der Gesang von Psalmen und Gebeten, eine Auslegung der Torastelle durch ein Mitglied der Gemeinde, die Predigt des Rabbiners, das Vorlesen der täglichen Torastelle und das abschließende Trinken von Wein und Brechen von Brot. Es wurde die Torastelle der Opferung Isaacs vorgelesen, in der Gott Abraham auffordert ihm seinen Sohn Isaac zu opfern. Als Abraham dazu ansetzt, erkennt Gott Abrahams Gottesfurcht und lässt ihn als Dank stattdessen einen Widder opfern. Deshalb wurde in der Synagoge anschließend das Widderhorn, genannt Schofar geblasen. Nicht unbedingt ein schönes Geräusch, aber trotzdem eine bewegende Stimmung. Geendet hat der Gottesdienst mit Wein, Brot und Äpfeln in Honig, dem symbolischen Mahl an Rosh Hashana. Auf ein süßes nächstes Jahr. Kleine Randbemerkung: Der uns mit zweieinhalb Stunden angekündigte Gottesdienst hat letztendlich dreieinhalb Stunden gedauert. Ufff!

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