„warm“ welcome – 10.09.19 bis 14.09.19

10.09.2019

15:00 – Abfahrt aus Timmerlah, Deutschland. Ich dachte, spätestens jetzt werde ich aufgeregt sein. Habe ich etwas vergessen? Ich hoffe nicht. Abgesehen von einem Stromadapter hab bis heut nichts zu bemängeln, aber den kann man sich auch nachkaufen. Kein Weltuntergang. So mache ich Mich also mit einem großen (zu schweren) Koffer, einem auf-letzten-Drücker bestelltem Rucksack und einer Tasche auf die Reise. An diesem Punkt möchte ich mich bei meinen Freunden und Familie dafür bedanken, diese letzte Zeit in Deutschland so schön gemacht zu haben. Ich fühle mich bereit neue Erfahrungen zu sammeln, freue mich aber natürlich auch wieder auf die gemeinsame Zeit. 18:15 – Abflug aus Hannover, verbotenes Land. Letzte Fotos, letzte Umarmungen, letzte Worte. Wie groß wird Linus wohl sein, wenn ich wieder da bin?

22:55 – Abflug in Amsterdam, Niederlande. Nach einem sehr gesunden und nachhaltigem Abendessen in Shiphol geht es zum Gate und damit nach Namibia. 11 Stunden im Flugzeug werden hart, dachte ich…. Ein wenig habe ich mich aber auch auf die Mediathek von KLM gefreut. Wie viele Filme kann man bei 11 Stunden Flug wohl schaffen? Schlussendlich wurden es „nur“ zwei. Bevor wir in Windhoek ankommen haben wir noch eine Zwischenlandung in Luanda (Hauptstadt von Angola). -An dieser Stelle könnt ihr gerne Luanda googlen und euch direkt die ersten Fotos anschauen.- Diese Bilder sind unvergleichbar mit dem, was wir aus dem Flugzeug beobachten. Wir sehen Blechbuden, so weit das Auge reicht. Dazwischen keine geregelten Straßen oder irgendwas anderes als Blechbuden.

10:55 – Ankunft in Windhoek, Namibia. Nervenkitzel pur. Beim Visa-Schalter. Ein wenig verunsichert stehen wir am Schalter. Uns werden verschiedene Fragen gestellt. Was wollen wir hier machen? Wer ist unsere Kontaktperson? Wo wohnen wir? Nun fängt die Beamtin auch noch an angestrengt herumzutelefonieren. Dann bekommen wir doch unser Visum. Rasch verlassen wir die Ankunftshalle. Dann kommt uns die Frau vom Schalter mit dem Handy hinterher gesprintet. Haben wir irgendwas falsch gemacht? Was will diese Frau noch von uns? Es stellt sich heraus, sie kennt unsere Kontaktperson, Joel Fikeipo. Er ist Pastor in ihrer Gemeinde. Und sie hat ihm am Telefon. Er verspätet sich ein wenig, aber ist gleich da, um uns abzuholen. Dass sehr viele Leute ihn kennen, haben wir jetzt schon einige Male festgestellt. Wir gehen weiter zum Gepäck und stellen fest, dass Gretas Koffer noch nicht da ist. Beunruhigt sind wir erst richtig, als uns gesagt wird, dass da nicht mehr Gepäck ankommen wird. Also melden wir das Gepäck als vermisst. Dabei treffen wir auch irgendwann auf Joel. Und ja, er kennt auch das Personal von der Gepäck-Zentrale. Nach ca. 5 Konversationen mit Leuten, die Joel kennt sind wir dann auch zum Auto durch gekommen. Es ist ein wenig, wie mit meinem Vater durch die Stadt gehen.

11.09.2019

Ab jetzt gibt es auch keine genauen Zeitangaben mehr, wir sind jetzt in Namibia. Die Fahrt nach Windhoek selbst dauert nochmal ca 45. Minuten. Dabei sehe wir ein paar Warzenschweine, Paviane und Kühe direkt am Straßenrand. Abgesehen davon nur Sand und trockene Bäume. Joel bringt uns zuerst in unsere Unterkunft nahe des Stadtzentrums, um unsere Sachen abzuladen, danach zu seiner Kirche. Dort lernen wir auch Nomsa kennen, sie ist nur ein wenig älter als wir, studiert momentan und hilft in der Kirche beim Konfirmantenunterricht. Anschließend fährt Joel uns und Nomsa durch ein paar Stadtviertel und zeigt uns auch die zweite Kirche, die er momentan betreut. Alles was wir bis jetzt sehen, erinnert uns stark an den Ausblick aus dem Flugzeug über Luanda. Nach der kurzen Stadttour gehen wir noch etwas essen. Es gibt Maisbrei und Hähnchen. Das beschreibe ich hier so genau, da mir angekündigt wurde, dass wir diese Kombination später im Norden fast täglich genießen dürfen. Das „Restaurant“ ist aber dann doch eher ein großer Raum, in dem jemand einen langen Plastiktisch aufgestellt hat. Darauf das Essen, dahinter eine Mikrowelle, in der das Essen erwärmt wird. Beim Verlassen trifft Joel mal wieder auf jemanden, den er kennt. Er hatte den Mann getraut. Zufälligerweise gehört dem Mann das Restaurant und als Dank, dass wir sein Business unterstützen, schenkt er Joel alle Getränkevorräte, die er im Laden hat. Hauptgewinn. Das kommt sogar ganz passend, da Joel sowieso noch Getränke einkaufen wollte für den großen Konfirmationsgottesdienst am Sonntag, bei dem wir auch eingeladen sind.

Zurück im Guesthouse wollen wir uns kurz ausruhen und später noch schnell einkaufen gehen. Doch dann bemerken wir, dass es hier gegen 18:30 langsam anfängt dunkel zu werden. Da wir nicht im Dunkeln unterwegs sein wollen, beschließen wir direkt einkaufen zu gehen. Der Supermarkt bei uns in der Nähe ist eigentlich genauso, wie ein Supermarkt in Deutschland. Unsere SIM-Karten hier sind einfache Prepaid-Karten, mit denen man wöchentlich einen Tarif bucht. Die Karten hatte uns Adrian, der letzte Freiwillige in meiner Stelle, uns schon in Deutschland gegeben. Leider muss man zum Aufladen dieser Karte sich bei Automaten, die überall herumstehen, Codes kaufen. „Leider“ weil diese Automaten nur Cash nehmen. Und irgendwie funktionieren unsere Kreditkarten noch nicht so ganz. Wir können bezahlen aber nicht abheben. An diesem Punkt möchte ich mich nochmal ganz dolle bei Adrian bedanken. Nicht nur für die SIM-Karte sondern für seine umfangreiche Hilfe seit letztem November. Im letztem November stand es fest, dass Greta und Ich nach Namibia gehen werden. Ohne Adrian hätten wir sicherlich viel viel größere Probleme gehabt, alles für Namibia zu organisieren. Danke 🙂

12.09.2019

Joel hat uns gestern gesagt, dass wir um 10 Uhr beim Ministerium sein sollen um unsere Visaunterlagen einzureichen. Er sei dann so fünf Minuten vor zehn bei uns, um uns abzuholen. Wir werden so um 10 Uhr von Mathilde, die Fahrerin der Gemeinde, abgeholt. Sie ist gut befreundet mit dem Kontaktmann im Ministerium und so ist es eine sehr entspannte und problemlose Angelegenheit. Und das, obwohl ich mich schon auf Schwierigkeiten eingestellt hatte. Naja, enttäuscht davon bin ich nicht. Die Innenstadt passte dann doch schon bedeutend besser zu dem Bild, wie wir uns eine Großstadt so vorstellen. Es gibt richtige Geschäfte!

Greta hat hier in der Nähe von Windhoek Verwandte, die auf einer Farm wohnen, mit denen wir Kontakt haben. Am Nachmittag werden wir von Erika abgeholt, zusammen holen wir ihre Kinder noch von der deutschen Privatschule und dem deutschen Kindergarten ab. Irgenwie ein komisches Gefühl. Erika bringt uns zur Farm auf der ihre Mutter wohnt. Diese Farm werde ich später noch einmal näher beschreiben. Beim gemeinsamen Mittagessen stellt sich dann auch heraus, dass Greta und ihre „Verwandte“ doch nicht verwandt sind. Egal, sie bleiben jetzt „Die Verwandten“. Die drei Kinder von Erika sind im Alter von 2-8 und gut drauf 🙂 Erika fährt mit uns dann auch noch mit den Kindern für eine Stunde in eine Mall, in der wir nochmal unser Glück an den verschiedenen ATMs versuchen (immer noch kein Erfolg) und ein paar Notwendigkeiten für Greta einkaufen. Per Zufall finden wir einen Shop, an dem man sich die Codes für die Simkarten auch mit der Keditkarte kaufen kann. Endlich funktionieren unsere Handys auch ohne WiFi! Da die beiden Größeren sich gewünscht haben, dass wir ihnen beim Sport zugucken, tun wir das dann auch.

Den restlichen Abend verbringen wir eigentlich nur damit, unsere Handys einzurichten und diesen Blog anzufangen zu schreiben. Ich schreibe ein wenig mit Mr. Nekongo, dem Schulleiter der Schule, in der ich arbeiten werde, um ihm mitzuteilen, was bei uns so der Stand der Dinge ist. Dabei kommen wir auf die ungeklärte Wohnsituation von Greta und mir zu sprechen.

Die beiden letzten Freiwilligen lebten in Ondobe, ca 15 min. zu Fuß entfernt voneinander. Adrian in einer WG mit dem Schulleiter und einer Lehrerin einer anderen Schule. Franka mit der Schulleiterin in ihrer Wohnung. Ich habe von Adrian schon erfahren, dass das Zimmer in dem er gewohnt hat weitervermietet wurde und ich demnach nicht dort wohnen werde. Also hatte ich keine Ahnung wo ich wohnen werde. Da auch Gretas Wohnsituation wohl nicht optimal sein sollte dachten wir, für uns beide wird etwas gesucht, wo wir wohnen können.

Zwischenstand ist, dass für Greta nie eine neue Wohnung gesucht wurde und ich mit dem Schulleiter in eine ca 30km entfernte Siedlung ziehen werde, da sich in Ondobe nichts finden lässt. Im Januar werde ich dann vermutlich in die Schule selbst umziehen. Wie das beides werden wird, kann ich mir noch nicht vorstellen. Ich habe ein wenig Angst, dass ich in dieser Siedlung bis auf den Schulleiter niemanden kenne und demnach eine ziemlich einsame Zeit haben werde. Andererseits kann auch genau das eine Möglichkeit sein, andere Leute kennen zu lernen. Auch habe ich ein wenig Respekt davor in die Schule zu ziehen, da im Umkreis von 15km dort nichts ist außer die Schule. Ein kleiner Schock war das schon für uns beide, da wir dachten, wir würden wenigstens in der Nähe voneinander wohnen. Naja, wir werden immer versuchen das Beste draus zu machen.

13.09.2019

Die Mission für heute heißt: Sprachkurs buchen. Genau das tun wir auch. Unsere erste Sprachstunde wird am Montag beim Goethe-Institut in der Innenstadt sein. Nachdem wir das geklärt haben, gehen wir zu Fuß zu einer Mall. Nach ca. 10 Minuten und ungefähr 20 Mal von Taxifahrern angehupt werden, erreichen wir unser Ziel. Die Mall ähnelt einer amerikanischen Mall und hier kann man so ziemlich alles bekommen, was man so braucht. Auffällig ist nur die große Anzahl von Sneaker-Läden. So langsam bekommen wir auch ein Gefühl für den Wechselkurs, der zur Zeit 1:16 ist. In einem Sportgeschäft habe ich einen Basketballring gefunden. Eventuell kaufe ich mir den für 15 Euro und nehme ihn mit in den Norden. Dann hätte ich schon mal etwas gegen Langeweile. Um 17:00 werden wir abgeholt und zur Kirche gebracht. Hier hören wir uns Vorträge und Gesänge von einigen der 200 Konfirmanten an und essen danach mit Joel und Freunden von Ihm, wobei wir in gute Konversationen kommen. Danach reden wir noch ein bisschen mit Nomsa und Freunden von ihr.

14.09.2019

Heute machen wir nicht viel, eigentlich habe ich bis jetzt nur am Blog geschrieben. Aber glücklicherweise kam eben Gretas Gepäck an!! Nachher gehen wir noch Einkaufen, (das Geld Abheben hat geklappt!!) aber sonst steht heute das Ausruhen im Fokus, damit wir morgen beim großen Gottesdienst (ca. 4-6 Stunden) nicht einschlafen. Hoffentlich müssen wir nicht in der ersten Reihe sitzen.

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