Unter den Wolken…

Wer hätte gedacht, dass man mich mal dreieinhalb Stunden durch die Stadt radeln sieht, wenn ich das Haus eigentlich gar nicht verlassen muss? Ich definitiv nicht. Die Tatsache, dass das hier regelmäßig passiert, überrascht mich jedenfalls. Nachdem wir Montag erst einmal von einem der Streetlife-Mitarbeiter eine kleine Tour durch die Stadt und den Arbeitsplatz gekriegt haben, haben wir uns abends trotz des doch ziemlich anstrengenden Tages noch auf den Weg durch die Stadt gemacht und einen wirklich schönen Sonnenuntergang über dem Meer beobachtet. Dienstag ging es dann auch direkt los.

Die Arbeit hier bei Streetlife teilt sich auf zwei Orte auf: Das Shelter und die Base. Im Shelter können bis zu 8 YPs (young people, also die Menschen, mit denen wir hier arbeiten) schlafen, duschen, essen,… Und wer im Shelter schläft, muss am nächsten Tag zu einem Beratungstreffen in die Base kommen. Während vormittags nur diese Beratungstreffen stattfinden, wird nachmittags von 1 bis halb 4 das drop-in gemacht. Beim drop-in kann kommen, wer möchte und Billliard spielen, was essen, Tee trinken, quatschen, an der activity teilnehmen (Diskussionsrunden, Billiardtourniere, solche Sachen), die Computer nutzen, food parcels abholen oder Kleidung bekommen. Bisher gefällt mir die Arbeit im Shelter besser. Es sind deutlich weniger Leute und man kann die, die da sind viel besser kennenlernen und es ist ein viel besseres Umfeld für Gespräche, finde ich. In der Base lerne ich meine Kollegen besser kennen und erfahre einiges über die Arbeit mit den YPs, aber im Shelter ist es für mich einfacher, dann auch tatsächlich direkt mit den YPs zu arbeiten.

Wenn ich nicht gerade bei der Arbeit bin, fahre ich eigentlich am liebsten an die See. Unser Haus ist nur ungefähr 600m vom Strand entfernt und mit den Fahrrädern, die wir uns hier leihen können, ist es wirklich nur ein Katzensprung. Achtung, schlechte Überleitung: Unter den Wolken regnet es nämlich gar nicht so viel, wie wir erwartet haben. Bisher war es eigentlich hauptsächlich ziemlich sonnig, mit nur einem regnerischen Tag. Das authentische UK-Experience ist es also noch nicht so wirklich. Was wir aber doch zu unserem Leidwesen sehr authentisch experiencen ist das englische Essen. Um Shepherd’s pie mit brauner Sauce sind wir bisher sehr gut herumgekommen, aber baked beans strahlen uns wirklich aus jeder Richtung an und den latenten Gewürzmangel auszugleichen ist irgendwie nicht so einfach wie erhofft. Die meisten Dinge schmecken aber deutlich besser, wenn man sie einmal warm macht. Der Panino-maker ist also unser neuer bester Freund.

Ansonsten gewöhnen wir uns ganz gut an das Leben hier. Philine und ich sitzen relativ häufig zusammen in der Küche (es sei denn, wir müssen arbeiten oder wollen gerade ans Wasser) und kriegen auch langsam ein Gespür für unsere Umgebung (der Vorteil, wenn man regelmäßig das Haus verlässt) und ich bin auch trotz des guten Wetters schon fast wieder bei meiner winterlichen Teemenge. Auch hier ist das UK-Experience eher authentisch. Wenn in der Base langsam Schluss gemacht wird, heisst es nicht etwa „noch 20 Minuten“, sondern eher „make your last brews now, guys“. Und das werde ich jetzt auch tun. Die Innenstadt ist für mich noch ein ziemliches Labyrinth und Philine mit ihrem exzellenten Orientierungssinn möchte da heute einmal hin. Also trinke ich jetzt mein brew aus und dann geht’s auch gleich los.

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